Ein Leben im Tag von … Artur Worseg

Der Schönheitschirurg über arrogante Promis, seine Rolex und die Unterschiede zwischen Notfall- und Wunschmedizin.

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Fotografie:
Moni Fellner
DATUM Ausgabe Juni 2024

Ich wache allerspätestens um fünf Uhr auf. Seit ich ›The 5 AM Club‹ ­gelesen habe, ziehe ich das recht pro­blemlos durch. Morgens trinke ich dann zuerst einen Kakao. Auf Kaffee verzichte ich. Dahinter steckt eine ­riesige Industrie, und ich bin überzeugt, dass Kaffee eine der graus­lichsten Drogen überhaupt ist.
Da kann ich gleich Koks ziehen.

Frühstück lasse ich auch aus, ­montags und dienstags esse ich sowieso nichts, weil es meinem Körper gut tut. Später laufe ich mit meinem Schäferhund eine Stunde lang durch den Wald. Danach setze ich mich kurz in die Sauna und meditiere. Ich dusche, putze mir die Zähne und entferne Haare an Stellen, wo sie nichts zu suchen haben. 

Und weil immer alle fragen: Nein, ich selbst habe nichts an meinem ­Körper machen lassen und lege keinen Wert auf Luxus. Die Rolex an meinem Handgelenk war ein Geschenk meiner Frau und schaut besser aus, als sie ist. Mir ist wichtig, meinen Körper zu ­pflegen. Nur wenn ich mich selbst wertschätze, kann ich das auch mit meinem Gegenüber machen.

Nachdem ich morgens meine ­Kinder in die Schule gebracht habe, komme ich gegen neun Uhr in die Klinik. Immer ein bisserl zu spät. Was ich dann konkret mache, kommt auf den Tag an. Dreimal die Woche ­berate ich Patienten, zweimal operiere ich sie. Letzteres bereitet mir deutlich mehr Freude. Was die Leute wollen, ist eigentlich ganz unterschiedlich. Eingriffe an den Brüsten und im ­Gesicht sind aber am beliebtesten. Wenn ich hundert Leute an einem ­Beratungstag sehe, strengt mich das tausend Mal mehr an als ein Tag im OP-Saal. Morgens bis abends mit ­Leuten zu sprechen, kostet Kraft.

Das ist der große Unterschied zwischen einer Notfallambulanz und der Wunschmedizin: Im Krankenhaus macht man, was einem auf den Tisch kommt. Hier muss ich den Patientenwunsch erkennen und abwägen, ob er medizinisch, ethisch und rechtlich ­verantwortbar ist. Ohne meine ­morgendliche Routine aus Sport und Meditation packe ich das nicht.

Mich wundert immer wieder, wie viele sich über das Äußere definieren. Wenn Leute keine Probleme haben, dann neigen sie oft zum Egozentrismus. Die Sozialen Medien pushen das. Es wollen auch immer mehr junge Leute zum Beispiel die Lippen machen lassen. Meine Hauptzielgruppe sind aber Babyboomer. Mit dem Alter ­kommen auch die Falten und damit ihre Wünsche an mich. Außerdem können sie sich mehr leisten.

Promis kommen auch viele zu mir, und die sind nicht immer ganz einfach. Viele glauben, ich müsste stolz sein, dass ich sie operieren darf. Wissen, dass sie bei mir waren, darf aber natürlich keiner, außer es geht etwas schief. Dann weiß es jeder.

Mein Arbeitstag endete früher immer erst gegen 22 Uhr. Danach ging ich manchmal noch auf Abendveranstaltungen, obwohl ich eigentlich nur ins Bett wollte. Dass ich abends schnell müde werde, war mir damals peinlich, auch weil ich dann asozial wurde. Heute schicken mich meine Mita­r­beiter schon gegen 19 Uhr heim. Das stört mich gar nicht.

Zuhause überkommt mich dann noch die Unart, spät abends viel zu essen. Tagsüber habe ich keine Zeit, und weil meine Frau berufstätig ist, dampft auch nichts am Herd, wenn ich nach Hause komme. Also plündere ich den Kühlschrank und verschlinge, was ich finde. Würstel, Essiggurkerl und so weiter. Dann beginnt mein Magen zu zwicken. Im Bett lese ich meistens noch eine halbe Seite am E-Reader und schlafe früh ein. Schließlich muss ich am nächsten Tag wieder um fünf ­aufstehen. •

Zur Person:

Artur Worseg (65) ist Österreichs wahrscheinlich bekanntester Schönheitschirurg. Er vertreibt außerdem seine eigene Kosmetiklinie und war bis 2023 Betreiber und ärztlicher Leiter der Privatklinik Währing.

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