›Es darf einem nicht vor Füßen grausen‹
Name: Carina Kratochvil, 31
Beruf: Fußpflegerin
Warum sind Sie Fußpflegerin geworden?
Ich habe schon immer gern meine Freundinnen geschminkt und hergerichtet. Ursprünglich wollte ich deshalb nur die Lehre zur Kosmetikerin machen, habe dann aber auch Fußpflege dazugelernt. Heute bin ich froh, sowohl medizinische als auch ästhetische Fußpflege perfektioniert zu haben.
Zuvor haben Sie in der medizinischen Fußpflege gearbeitet. Was ist dort anders?
Da geht es nicht um Ästhetik, sondern um Schmerzbehandlung. Die Menschen kommen wegen eingewachsener Zehennägel, Hühneraugen oder weil sie als Diabetikerinnen regelmäßige professionelle Fußpflege benötigen. Im ästhetischen Bereich geht es hingegen um perfekt gefeilte Nägel, die sauber und präzise lackiert sind, und um eine gut aussehende, glatte Hornhaut.
Das klingt so, als ob Sie ziemlich viel können müssten.
Die Ausbildung hat es auch dementsprechend in sich. Ich mache ja nicht nur Maniküre und Pediküre, sondern lerne auch über Wundbehandlung, Fußmassagen und muss alle Muskeln, Sehnen und Knochen im Körper kennen. Sonst könnte ich Fußfehlstellungen, Deformationen oder Hautkrankheiten nicht erkennen, um die Kundinnen dann an Spezialisten verweisen zu können.
Ekeln Sie sich manchmal vor Füßen?
Mir hat nie vor Füßen gegraust. In diesem Beruf darf einem nicht vor Füßen grausen. Meistens kommen zwar gepflegte Menschen zu mir, aber in Spitälern oder Pflegeeinrichtungen gibt es immer wieder Menschen, die nicht so auf sich schauen können. Wenn die Fußpflege nicht regelmäßig alle drei bis vier Wochen stattfindet, haben die Leute dann zum Beispiel längere Nägel und Füße, die auch etwas riechen können. Das Schlimmste, was ich bisher gesehen habe, war eine Wunde im Fuß eines Kunden, die er so lange nicht bemerkt hat, dass sie schon zu faulen begonnen hat.
Wie ist das möglich?
Diabetiker leiden manchmal an einer Nervenerkrankung, die das Schmerzempfinden mindert. Sie bemerken dann nicht einmal tiefe Wunden am Fuß. Bei einem Kunden war das so. Er dürfte sich etwas eingetreten haben, ohne es zu spüren. Ich habe ihn dann sofort in medizinische Behandlung geschickt.
Sollten auch Leute ohne Vorerkrankung oder Loch im Fuß mehr auf ihre Fußgesundheit achten?
Ich meine schon. Man sollte sich täglich die Füße eincremen und sich gut um sie kümmern. Natürlich ist es auch immer besser, die Füße in die Hände eines Profis zu legen. Dann wachsen die Nägel nicht ein und entzünden sich auch nicht, weil man sie zum Beispiel zu tief geschnitten hat.
Was mögen Sie an Ihrem Beruf?
Ich mag das ›Mitleben‹ bei meinen Stammkundinnen. Die kommen alle zwei bis sechs Wochen zu mir. Sie erzählen mir aus ihrem Leben, ich ihnen aus meinem. Teilweise schon seit vielen Jahren. Außerdem ist es immer ein gutes Gefühl, wenn man Menschen mit ihren Schmerzen helfen kann.
Wie viel verdient man als Fußpflegerin?
Als Vollzeitangestellte, je nach Ausbildungsgrad, ungefähr 2.000 bis 2.200 Euro brutto im Monat. Mit Berufserfahrung und je nach Salon kann es auch etwas mehr sein.
Wie zufrieden sind Sie mit den Arbeitsbedingungen in der Branche?
Kollektivvertraglich hat sich einiges verbessert, aber wegen der Inflation müsste noch mehr passieren. Ein großes Problem ist, dass viele Beschäftigte nicht offiziell Vollzeit angestellt werden und teilweise schwarz arbeiten müssen. Ich glaube, das hängt auch damit zusammen, dass viele Kundinnen nicht bereit sind, einen entsprechenden Preis zu bezahlen. Das Problem kennen viele meiner Kolleginnen. •
Zahlen und Daten
In keiner Branche Österreichs gründen mehr Frauen neue Betriebe als im Bereich Fußpflege, Kosmetik und Massage (83,4 Prozent). Frauen machen auch über 87 Prozent der mehr als 4.700 unselbstständig beschäftigten Fußpfleger in der Branche aus. Letztes Jahr haben 195 Menschen die Fußpflege-Lehre begonnen, davon drei Männer, der Rest Frauen.
Quellen: WKO; AMS