Ein Vogel hat Hunger

Um den Kormoran ist ein Kulturkampf ausgebrochen. Fischereiverbände machen den Vogel mitverantwortlich für leere Netze. Naturschutzorganisationen entgegnen: Die Gründe liegen tiefer. Wer hat Recht?

DATUM Ausgabe Oktober 2026

Während sich die Drohne über dem Bodensee in Position bringt, schwankt sie hin und her, wie die Fischerboote unter ihr bei starkem Wellengang. Über einer großen Weide nahe dem Ufer bleibt sie in der Luft stehen und visiert das Ziel an: ein Vogelnest in der Baumkrone, in dem vier ovale Eier liegen. Kurz darauf spritzt aus dem Auslegearm der Drohne blau eingefärbtes Rapsöl auf die Eier. Das Öl verschließt die Poren der Schale. Dass die Embryos bald absterben werden, ahnen die Vogeleltern nicht. Kurz darauf werden sie zum Nest zurückkehren und weiterbrüten. 

Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so scheinen mag: Der Probeflug der umgebauten Agrardrohne soll zum Artenschutz beitragen. Es ist ein windstiller Mittwoch Anfang April auf der Halbinsel Mettnau am Bodensee, einem Naturschutzgebiet in Baden-Württemberg. Das Besprühen der Vogeleier ist Teil eines internationalen Forschungsprojektes unter Federführung Baden-Württembergs, an dem auch das Land Vorarlberg beteiligt ist. Die Länder rund um den Bodensee suchen nach Wegen, die Fischpopulationen im Gewässer zu schützen – unter anderem, indem sie einem Vogel Herr werden, den Fischer seit jeher als ›schwarze Pest‹ bezeichnen: den Kormoran. 

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