Krieg der KI-Bilder

Wie KI-Slop unsere Realität verwässert und die Demokratie zur ›Memokratie‹ macht.

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Fotografie:
Donald J.Tump/Truth Social
DATUM Ausgabe Oktober 2026

Nehmt mich ernst‹, bettelt das Bild, indem es eine martialische Drohkulisse aufbaut. Die Schwarztöne und die Symmetrie sind auf Erhabenheit ausgerichtet. Es wirkt wie dem Computerspiel ›Warhammer‹ oder einem dystopischen ­Science-Fiction-Film entnommen. In der riesigen Halle warten roboterartige Figuren auf einen Angriff. Im Hintergrund toben Feuergefechte. Offenbar herrscht ein kriegerischer Ausnahmezustand. US-Präsident Donald Trump sitzt wie ein König auf einem Thron und inszeniert sich als strenger Befehlshaber. Seine rechte Hand hält er auf einen hologrammartigen Bildschirm. 

Gleichzeitig lässt die absurde, übertriebene Computerspiel-Ästhetik keine Seriosität zu. Die fiktive Atmosphäre vernachlässigt, was gerade wirklich politisch passiert. 

Am selben Tag, an dem Trump dieses KI-genierte Bild auf seinem Truth-Social-Kanal postete, veröffentlichte er heftige Drohungen gegen den Iran. Wer allerdings mit dem Slogan ›Give Them Nightmares‹ genau adressiert wird, bleibt unklar.

KI-Bilder wie dieses, die Trump nahezu täglich postet, stehen für den Kunsthistoriker Wolfgang Ullrich sinnbildlich für eine Entwicklung, die er ›Memokratie‹ nennt: eine politische Öffentlichkeit, in der die Logik von Memes zunehmend die demokratische Kommunikation bestimmt. Dieser ›ins Rutschen gekommenen Demokratie‹ hat Ullrich jüngst ein Buch gewidmet. ›Statt Gewaltentrennung und Konsensfindung werden auf Kosten Dritter Witze gemacht. Die Kommunikation ist aggressiv, gleichzeitig zieht sie alles ins Lächerliche oder banalisiert.‹ Wenn etwas zum Computerspiel erklärt wird, könne man dabei die grausamsten Dinge zeigen, sagt Ullrich. Nicht selten komme Rassistisches und Frauenverachtendes im ­Gewand eines beiläufigen Scherzes daher. Schließlich sind diese KI-Bilder eine Fortsetzung der Memes, die sich oft einer genauen Einschätzung verweigern. Daran prallt jede traditionelle Kommunikationsform ab. Man kann nicht
argumentativ darauf reagieren.

Hinzu kommt: KI-generierte Bilder stoppeln Versatzstücke aus unterschiedlichen Bildwelten zusammen. Das vergrößert die Verwirrung und den Deutungsspielraum. Zwar knüpfe die Memokratie an die autoritäre Bildpolitik früherer Monarchien und der Diktaturen des 20. Jahrhunderts an, doch es gebe einen Bruch in der Geschichte der politischen Ikonografie: ›Bisher war sie auf Unterwerfung ausgerichtet, nicht auf Banalisierung und Lächerlichmachen. Trump macht sich ja sogar selbst lächerlich‹, sagt der Kulturwissenschaftler. 

Wer das am 6. September geteilte KI-generierte Bild erstellt hat, ist nicht nachvoll­ziehbar. Häufig stammen solche Bilder von ­sogenannten ›Meme-Warriors‹, die das Internet täglich mit Bildern und Videos fluten. Sie ­reagieren auf nahezu jedes politische Ereignis mit Polemik oder Ablenkungsstrategien, mit Zynismus oder Spott. Trump und sein MAGA-Umfeld greifen solche Inhalte auf und ver­breiten sie weiter. 

Wie verändert das langfristig unsere Bildwahrnehmung? Das lasse sich nicht genau ­absehen, sagt Ullrich. Trump setze bewusst auf ›Rage Bait‹ – auf Inhalte, die möglichst starke Affekte auslösen sollen. Sie empören seine ­Gegner und begeistern seine Anhänger. Die Algorithmen der Plattformen begünstigen diese Logik. Die sich radikalisierende Meme-Kultur wird dadurch immer extremer. ›Trump war letztes Mal Papst und Jesus – und jetzt ist er halt Science-Fiction-Held. Das kann sich irgendwann erschöpfen‹, meint der Kunsthistoriker. Doch noch scheint es keinen Ermüdungseffekt zu geben. Dazu kommt: Je mehr KI-generierte Bilder in Umlauf sind, desto mehr misstraut man auch herkömmlichen Fotografien.

Der ­Fotojournalismus, der mit dem Anspruch verbunden ist, eine überprüfbare Wirklichkeit abzubilden, war lange ein scharfes Instrument politischer Auseinandersetzungen. Durch ­KI-Artefakte verliert er an Schlagkraft. •

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