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Der Preis des Kupfers

In den peruanischen Anden baut der Schweizer Konzern Glencore großflächig Schwermetall ab, das für die Energiewende unverzichtbar ist. Die Provinz Espinar zeigt, was das für die Menschen vor Ort bedeutet – und was passiert, wenn sie sich dagegen wehren.

DATUM Ausgabe November 2026

Der Journalist und Dokumentarfilmer Vidal Merma fährt mit seinem marineblauen Auto durch die Berglandschaft der peruanischen Andenprovinz Espinar. Die schmale Straße windet sich den Hang entlang. Hinter einer Kurve öffnet sich der Blick auf einen gewaltigen Krater: die Mine Antapaccay. Die riesigen Lastwagen, die sich darin bewegen, sind kaum mehr als kleine Punkte. Tief unten wird Gestein abgetragen. Das Dröhnen und Rattern der Maschinen dringt bis ins Wageninnere. Dann heulen Sirenen auf, gefolgt von einem dumpfen Schlag. 

Das Erzgestein, das an diesem Morgen aus dem Krater gesprengt wird, enthält einen der begehrtesten Rohstoffe der Welt: Kupfer. Das Metall steckt in Stromkabeln und Wasserleitungen, Gebäuden und Smartphones, Autos und Industriemaschinen. Und es spielt eine zentrale Rolle für die globale Energiewende. Stromnetze, Windkraftanlagen, Solarmodule, Batteriespeicher und Elektroautos benötigen große Mengen Kupfer. Mit dem weltweiten Ausbau erneuerbarer Energien und der zunehmenden Elektrifizierung wächst deshalb auch der Bedarf an diesem kritischen Rohstoff.

Ein Teil dieses erhöhten Kupferbedarfs wird von Peru gedeckt. Das Land ist – nach Chile und der Demokratischen Republik Kongo – der drittgrößte Kupferproduzent der Welt; das Schwermetall ist sein wichtigstes Exportgut. Und Espinar ist eine der vielen peruanischen Provinzen, in denen es aus der Erde geholt wird. Die Provinz liegt im Süden der Region Cusco, auf rund 4.000 Metern Höhe in den peruanischen Anden. Hier leben vor allem indigene Gemeinschaften der K’ana, die zum Quechua-Volk gehören. 

Vidal Merma kommt aus Espinar und ist selbst K’ana. Während der Fahrt trägt er eine dunkle Sonnenbrille gegen das grelle Sonnenlicht der Hochebene. Er spricht ruhig, lächelt immer wieder, strahlt ­Lebensfreude aus. Doch wenn es um die Folgen des Bergbaus geht, wird seine Miene schnell düster. ›Für Espinar war die Ankunft des industriellen Bergbaus wie ein Fluch, der über uns gekommen ist‹, sagt er. ›Die Unternehmen haben den Frieden, die Ruhe und das Zusammenleben in den Gemeinden und Familien zerstört.‹

Mit den Unternehmen meint Vidal die multinationalen Bergbaukonzerne, die seit den 1990er-Jahren im großen Stil Metalle – vor allem Kupfer – in Espinar abbauen. Die neoliberale, autoritäre Regierung Alberto Fujimoris setzte damals auf Privatisierung – auch im Bergbau: Staatliche Minen wurden verkauft, ausländische Konzerne sollten investieren und das Wirtschaftswachstum Perus fördern. 

Heute steht hinter dem Kupferabbau in Espinar eines der größten Rohstoffunternehmen der Welt: der Schweizer Konzern ›Glencore‹. 2013 übernahm Glencore das Bergbauunternehmen ›Xstrata‹ und damit auch dessen Minengeschäft in Espinar. Seitdem betreibt Glencore über die Tochtergesellschaft ›Compañía Minera Antapaccay‹ die gleichnamige Kupfermine. 

Ein Großteil des Kupfers geht nach China – in jenes Land also, das heute wie kaum ein anderes den weltweiten Ausbau erneuerbarer Energien vorantreibt. Aber auch nach Deutschland und Spanien wird das Schwermetall exportiert. Während das Kupfer aus Espinar auf dem Weltmarkt also gefragt ist und die Energiewende ankurbelt, fällt die Bilanz für viele Menschen vor Ort deutlich ernüchternder aus. 

›Nach mehreren Jahrzehnten Bergbau ist das Einzige, was er uns gebracht hat, Leid, Krankheit, Umweltverschmutzung und Korruption‹, sagt Vidal. Der 43-Jährige berichtet seit Jahren darüber, wie der Kupferabbau Glencores und seiner Vorgänger die Umwelt belastet, wie die indigene Bauerngemeinschaften ihre Lebensgrundlagen verlieren: gesunde Böden und ausreichend Wasser für Landwirtschaft und Viehzucht. Dagegen wehren er und andere Espinarerinnen sich seit Jahren – mit Folgen: ›Wir leiden unter Kriminalisierung, rechtlicher Verfolgung und auch Stigmatisierung durch die Regierung und das Bergbauunternehmen‹, erzählt er, während er weiter am schier unendlich wirkenden Minengelände entlangfährt.  

Hinter den Zäunen ziehen sich breite Straßen durch das Gelände, immer wieder begegnen Vidal schwere Lastwagen. Plötzlich wird er vorsichtig. Die Straße sei öffentlich, sagt er, trotzdem beobachte die Minensicherheit genau, wer sich dem Gelände nähert. Kurz zuvor hat ihn ein LKW-Fahrer mit der Kamera gesehen. Vermutlich habe er ihn gemeldet.

Dann taucht hinter Vidal ein weißer Pick-up auf. ›Security‹, sagt er. Das Fahrzeug bleibt hinter ihm. Immer wieder blickt Vidal in den Rückspiegel. Nervös erzählt er, wie ihn die Minensicherheit schon einmal gemeinsam mit einem internationalen Fernsehteam angehalten habe. Damals seien sie auf eine Wache gebracht worden. Erst mithilfe ihrer Botschaften seien die Journalisten wieder freigekommen.

Wenig später sieht Vidal einen zweiten Pick-up im Rückspiegel. Dann tauchen auch zwei Security-Wagen vor dem Auto auf. Vidals Nervosität steigt. Er gibt Gas, Staub wirbelt auf. Erst als die Mine hinter ihm liegt, verschwinden die Fahrzeuge aus dem Sichtfeld. 

Vidal sagt, er sei wegen seiner Arbeit als Journalist wiederholt verfolgt und eingeschüchtert worden. Mehrmals sei in sein Haus eingebrochen worden, auch körperliche Gewalt habe er erlebt. 2020 nahm er an einem mehrtägigen Streik gegen die Antapaccay-Mine teil. Demonstrierende blockierten den südlichen Minenkorridor, es kam zu Zusammenstößen mit der Polizei. Vidal erzählt, wie er mit anderen Demonstrierenden vor den Sicherheitskräften floh – und wie dabei mit scharfer Munition auf sie geschossen worden sei. Ob tatsächlich gezielt auf seine Gruppe geschossen wurde, lässt sich unabhängig nicht überprüfen. Belegt sind jedoch Schussverletzungen: Die peruanische Zeitung La República berichtete von drei Verletzten, deren Wunden laut einer behandelnden Ärztin durch Kugeln aus Feuerwaffen verursacht worden seien.

Die Gewalt von 2020 war kein Einzelfall. Menschenrechts- und Umweltorganisationen dokumentieren in Espinar seit Jahren gewaltsame Polizeieinsätze, Festnahmen und Übergriffe im Zusammenhang mit Bergbaukonflikten. 2018 sollen etwa zehn Mitglieder der Gemeinde Alto Huarca bei einer Räumung für den Bau einer Minenstraße von Polizisten und Mitarbeitern von Glencore-Antapaccay geschlagen und bedroht worden sein – das dokumentiert die peruanische Beobachtungsstelle für Bergbaukonflikte OCM.

Besonders schwer eskalierte der Konflikt 2012. Bei Auseinandersetzungen mit der Polizei kamen drei Menschen ums Leben, Dutzende wurden verletzt. Die Regierung verhängte den Ausnahmezustand. Nach Recherchen des katholischen Hilfswerks ›Misereor‹ nutzte die Polizei das Gelände der damaligen Tintaya-Mine während der Proteste als illegales Gefangenenlager. 23 Menschen seien dort ohne Haftbefehl festgehalten worden, einige berichteten von Misshandlungen und Folter. 

DATUM hat Glencore mit den Fällen von Gewalt und Einschüchterung im Zusammenhang mit seinen Aktivitäten in Espinar konfrontiert. Das Unternehmen bedauert in seiner Antwort ›zutiefst frühere Vorfälle, bei denen Sicherheitskräfte unverhältnismäßige Gewalt angewendet haben‹. Zugleich bestätigt das Unternehmen, seinen Vertrag mit der peruanischen Nationalpolizei 2025 verlängert zu haben. Das peruanische Recht erlaubt Bergbauunternehmen, zusätzliche Polizeidienste in Anspruch zu nehmen. Amnesty International dokumentiert exzessive Gewalt der Nationalpolizei gegen Demonstrierende und kritisiert die gesetzlichen Regelungen, die Vereinbarungen zwischen der Polizei und privaten Unternehmen ermöglichen.

›Die Provinz ist schon lange ein Konfliktherd, wie er für Bergbauregionen Lateinamerikas typisch ist‹, sagt Ali Heuser. Heuser forscht an der Universität Kassel zu Bergbaukonflikten in Lateinamerika und hat mehrere Monate in Espinar verbracht. Ende der 1990er-Jahre hätten sich die Proteste vor allem gegen Landenteignungen gerichtet, später rückten Umwelt und Gesundheit in den Mittelpunkt. Heute gehe es zunehmend um eine grundsätzlichere Frage: Was bleibt vom Bergbau für die Menschen in Espinar? 

Glencore betont in seinem Statement: ›Der Bergbau hat in Espinar Arbeitsplätze und Entwicklung geschaffen und tut dies auch weiterhin.‹ Heuser bestreitet dies: ›Es wurden Gewinnanteile, Arbeitsplätze, Investitionen in soziale Projekte versprochen. Aber kaum ein Versprechen wurde umgesetzt.‹ Zwar schaffe der Bergbau Arbeitsplätze, viele davon seien jedoch nur temporär. Für den eigentlichen Rohstoffabbau würden vor allem hochqualifizierte Fachkräfte benötigt. ›Die Ingenieure kommen aus Lima oder aus anderen Regionen. Für die Lokalbevölkerung bleibt dann kaum eine Beschäftigungsmöglichkeit mehr‹, sagt Heuser. 

Für viele Menschen in Espinar bleibt das Entwicklungsversprechen also vor allem eines: ein Versprechen. Die Vorteile des Bergbaus bleiben marginal, seine Kosten hingegen sind massiv. Eine Studie von Amnesty International fand bei 78 Prozent von 150 untersuchten Bewohnerinnen und Bewohnern Espinars erhöhte Werte mindestens eines giftigen Schwermetalls, darunter Blei, Cadmium, Arsen, Quecksilber und Mangan. Mehr als die Hälfte hatte das krebserregende Arsen im Körper. Auch Vidal nahm an Untersuchungen teil. ›Mehrere Schwermetalle sind bei mir nachgewiesen worden, darunter auch Arsen‹, sagt er.

Schwermetalle und andere toxische Substanzen gelangen unter anderem über Wasser und die Atemluft in den Körper. Die peruanische Umweltbehörde OEFA weist seit Jahren Belastungen von Luft und Wasser im Umfeld der Bergbaugebiete nach.

Glencore bestreitet, dass ein Zusammenhang zwischen Bergbau und Schwermetallbelastung nachgewiesen sei. Der Konzern verweist auf ›unabhängige Expert:innen‹, die die Ergebnisse der OEFA überprüft hätten und zu dem Schluss gekommen seien, ›dass die Untersuchungen keinen kausalen Zusammenhang zwischen den Bergbauaktivitäten und dem Vorkommen von Schwermetallen in Espinar nachweisen konnten‹. 

Die OEFA selbst führt jedoch einen Teil der Belastungen ausdrücklich auf die Bergbauaktivitäten zurück. Der Schweizer Gewässerforscher Bernhard Wehrli von der ETH Zürich kommt nach einer Analyse der OEFA-Untersuchungen zu demselben Schluss: Der Zusammenhang zwischen Glencores Kupferabbau und der Belastung der Umwelt sei ›klar‹. 

Doch mit dem Bergbau verändert sich nicht nur die Qualität des Wassers. Es wird auch weniger. Das zeigt eine Studie der Universidad Peruana Unión in Lima aus dem Jahr 2025. Laut den Autorinnen darf Glencore-Antapaccay jährlich bis zu 18,4 Millionen Kubikmeter Wasser aus natürlichen Quellen entnehmen. Gleichzeitig fließt in Teilen der Provinzhauptstadt Yauri nur zwei bis vier Stunden am Tag Wasser. Besonders prekär ist die Lage in ländlichen Gemeinden. Dort sind viele Menschen auf Tankwagen angewiesen, weil Flüsse und Quellen, die sie traditionell nutzten, inzwischen kontaminiert sind. 

 ›Seit die Mine gekommen ist, hat sie uns die Wasserquellen genommen‹, sagt Vidal. Eine Viertelstunde ist vergangen, seit die Security-Fahrzeuge hinter seinem Pkw verschwunden sind. Vidal wirkt wieder entspannter, als er auf einen staubigen Weg abbiegt. Er führt zum Haus seiner Eltern. Hier ist er aufgewachsen. Als er vorfährt, hüten seine Eltern draußen ihre Schafe. Hinter dem Wohnhaus stehen ein großes Gewächshaus und eine Scheune, Hühner laufen durch den Garten. Vidal begrüßt seine Eltern auf Quechua: ›Allin p’unchay.‹ Guten Tag.

Die Eltern zeigen, was sie anbauen und wo ihre Tiere weiden. Nach ein paar Schritten zeigt Vidal über das offene, von flachen Bergrücken eingefasste Land. In der Ebene steht ein umzäunter Komplex aus mehreren Reihen gleichförmiger, mehrstöckiger Gebäude. ›Das ist eine Siedlung für die Minenarbeiter‹, sagt Vidal. ›Wenige hundert Meter dahinter liegt die Tintaya-Mine.‹

In Tintaya wurde seit den 1980er-Jahren Kupfer im Tagebau gefördert. Der Abbau endete 2012; heute nutzt Glencore die stillgelegte Mine unter anderem zur Lagerung von Rückständen aus der benachbarten Antapaccay-Mine. Das Arbeitercamp werde immer noch genutzt. ›Hinter den Zäunen der Siedlung gibt es Strom, fließendes Wasser, einen Supermarkt, einen Bankautomaten, einen Sportplatz – alles, was die Minenarbeiter für ihren Alltag brauchen. Hier im Garten gibt es weder Strom noch fließendes Wasser‹, sagt Vidal. Stattdessen wird regelmäßig ein großer Wassertank zwei Mal im Monat von der Gemeinde geliefert. Das Wasser muss für alles reichen: zum Trinken, Kochen, Waschen und für die Tiere. 

Vidal blickt noch einmal hinüber zu den mehrstöckigen Gebäuden. Dort, wo heute das Arbeitercamp und Teile des Minengeländes liegen, habe früher die bäuerliche Gemeinde Tintaya-Marquiri gelebt, erzählt er. ›Die Gemeinde hat durch den Bergbau mehr als 90 Prozent ihres Landes verloren‹, sagt Vidal. Viele Familien mussten ihr Land verlassen; einige seien gewaltsam vertrieben worden. 

Auch Vidals Großeltern lebten in der Gemeinde Tintaya-Marquiri, bis ihr Land für die Mine enteignet wurde und sie zwangsweise umsiedeln mussten. Auf dem Land, auf das die Großeltern umgesiedelt wurden, steht Vidal mit seinen Eltern heute. Die Familie lebt hier immer noch. Viel ist ihnen nicht geblieben, aber genug, um zu überleben. 

Obwohl  der Bergbau für viele Bewohnerinnen und Bewohner der Provinz verheerende Folgen hat, scheinen die Proteste seit 2022 abzuebben. Politikwissenschaftler:in Ali Heuser bringt das mit dem Amtsantritt Dina Boluartes als Präsidentin Perus Ende 2022 in Verbindung. Seither habe sich die staatliche Repression gegen Protestbewegungen deutlich verschärft. Berichte von Amnesty International und dem UN-Menschenrechtsbüro (OHCHR) stützen diese Einschätzung. Ende 2022 und Anfang 2023 wurden Proteste in weiten Teilen Perus gewaltsam niedergeschlagen. 50 Menschen kamen ums Leben.

Die Repression beschränkte sich nicht auf die Straße. Das OHCHR dokumentiert auch die strafrechtliche Verfolgung von Protestierenden. Ermittlungen wegen mutmaßlicher terroristischer Handlungen richteten sich demnach unter anderem gegen mehrheitlich indigene Menschen, Landwirtinnen und Landwirte und Mitglieder einer sozialistischen Partei. Brisant ist das auch deshalb, weil der UN-Menschenrechtsausschuss die peruanische Antiterrorgesetzgebung kritisiert: Die gesetzliche Definition von Terrorismus sei unpräzise und könne in der Praxis Willkür und Missbrauch ermöglichen. 

Ob sich daran unter der neuen Regierung etwas ändern wird, ist fraglich. Seit Ende Juli regiert Keiko Fujimori – Tochter des ehemaligen Diktators Alberto Fujimori – Peru. Sie will private Investitionen und neue Bergbauprojekte vorantreiben und setzt zugleich auf einen harten sicherheitspolitischen Kurs. Heuser blickt deshalb pessimistisch auf die kommenden Jahre: ›Meine sehr starke Vermutung ist, dass sich die Repression unter der aktuellen Regierung nicht verbessert, sondern verschärft.‹ 

Eine andere Frage lautet: Wird sich die Situation auch aufgrund der Energiewende und ihrem Durst nach Kupfer verschärfen? 

Ali Heuser warnt vor einem zu einfachen Schluss: ›Der sozial-ökologische Konflikt, den wir in Espinar sehen, der entsteht ja nicht durch die Energiewende. Der war schon vorher da. Und die globale Kupfernachfrage war auch schon vorher da.‹ 

Allerdings lässt die Energiewende die Nachfrage weiter wachsen. Die Internationale Energieagentur (IEA) erwartet, dass allein der Kupferbedarf für saubere Energietechnologien von rund 7,7 Millionen Tonnen 2024 auf knapp elf Millionen Tonnen 2030 steigen wird. Der wachsende Bedarf könnte den Druck erhöhen, in Espinar noch mehr Kupfer zu fördern und damit auch das Risiko, dass sich bestehende Konflikte weiter verschärfen.  

Glencore plant bereits den Bau einer neuen Mine und legitimiert dies mit der Energiewende. Luis Rivera, Südamerika-Chef des operativen Geschäfts bei Glencore, betont in einem Interview mit der peruanischen Fachzeitschrift Energiminas, dass dieser Bau ›die Rolle Cuscos und Perus als wichtige Lieferanten kritischer Metalle für eine nachhaltigere Zukunft weiter stärken soll.‹ 

Was Rivera auslässt: Auf dem Gebiet, auf dem die neue Mine entstehen soll, leben Menschen. Laut einem Bericht der peruanischen Menschenrechts- und Umweltorganisation ›CooperAcción‹ in Zusammenarbeit mit der internationalen Nichtregierungsorganisation ›Oxfam‹ sind Umsiedlungen vorprogrammiert. Das Dorf Pacopata könnte 85 Prozent seines Territoriums verlieren. 

Vidal verabschiedet sich von seinen Eltern und steigt ins Auto. Er lenkt den Wagen über holprige Straßen, vorbei an graubraunen Feldern und Weideland in Richtung der Provinzhauptstadt Yauri. Die Mine, das fehlende Wasser, die Verfolgung und Einschüchterungen – die Schattenseiten der Energiewende begleiten seinen Alltag. Aufgeben will Vidal trotzdem nicht. ›Ich kämpfe weiter‹, sagt er.‹  •

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