Minister Farblos
Norbert Totschnig (ÖVP) muss die Agenden Klima und Landwirtschaft in seinem Ministerium unter einen Hut bringen. Seine Strategie dabei: Nur nirgendwo anecken.
Beim Erntedank-Festival wird gefeiert, als hätte es den gerade zu Ende gegangenen Sommer nie gegeben. Bauern steuern ihre Traktoren über den Wiener Heldenplatz und präsentieren übergroße Erntekronen aus Weizen und Weintrauben. Ihre Familien sitzen auf den Ladeflächen und werfen Getreidekörner ins Publikum.
In der Menschenmenge steht Norbert Totschnig, umringt von Landwirten. An diesem Septembertag regnet es auf den Landwirtschafts- und Klimaminister herab – ein Wetter, auf das Österreichs Bauern lange gewartet haben. Die sommerliche Dürre verursachte Schäden in Milliardenhöhe. Rund ein Drittel der gesamten Ernte, von Marillen bis Getreide, büßte die hiesige Landwirtschaft heuer ein.
Das bereitet längst nicht nur Grünen-Politikern und Klimaaktivisten Sorgen. Kurz vor Festivalbeginn schrieb Ernst Tschida, Obmann der bäuerlichen Interessenvertretung ›Bündnis Zukunft Landwirtschaft‹ und burgenländischer ÖVP-Gemeinderat, eine empörte E-Mail an Pressevertreter. Er fragte: ›Was genau sollen Bauern heuer eigentlich feiern?‹
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