Die dritte Generation
Vor 20 Jahren wurde die russische Journalistin Anna Politkowskaja in einem Moskauer Aufzug erschossen. Heute führt ihre Enkelin ihr Erbe fort.
Im fünften Wiener Gemeindebezirk, an der Ecke Margaretenstraße und Grohgasse, liegt ein Platz, der den Namen einer Frau trägt, den wohl nur wenige Passanten kennen. 2022 beschloss die Bezirksvertretung, ihn nach Anna Politkowskaja zu benennen. Die russische Investigativjournalistin wurde mit ihren Berichten über den Zweiten Tschetschenienkrieg bekannt und zählte zu den schärfsten Kritikerinnen Wladimir Putins. Dass Politkowskaja ausgerechnet in Wien ein Platz gewidmet wurde, hat auch mit ihrer persönlichen Geschichte zu tun. 2001 floh sie nach Todesdrohungen für eine Weile nach Österreich. Im Dezember 2005 kam sie erneut nach Wien, um bei einer Pressekonferenz von ›Reporter ohne Grenzen‹ zu sprechen. In ihrer Rede warnte sie davor, dass Menschen mitunter mit ihrem Leben dafür bezahlten, ihre Meinung offen auszusprechen. Selbst wer ihr, Politkowskaja, Informationen gebe, könne deswegen getötet werden. Zehn Monate später war sie selbst tot.
Am 7. Oktober 2006 wurde Anna Politkowskaja im Aufzug ihrer Moskauer Wohnung erschossen. Heuer jährte sich ihre Ermordung zum zwanzigsten Mal.
Wörter: 2041
Lesezeit: ~ 11 Minuten
Diesen Artikel können Sie um € 3,50 komplett lesen
Wenn Sie bereits Printabonnentin oder Printabonnent unseres Magazins sind, können wir Ihnen gerne ein PDF dieses Artikels senden. Einfach ein kurzes Mail an office@datum.at schicken.