Wie es ist … für US-Botschafter, den NASA-Chef, Hillary Clinton und Jimmy Carter zu kochen.
Nachdem ich die Gastgewerbeschule in Bad Gleichenberg mit Auszeichnung abgeschlossen hatte, bin ich 1982 über ein Inserat im Kurier in die britische Botschaft gekommen: In der Zeitung ist gestanden, Köchin für Diplomatenhaushalt gesucht, und ich konnte mir nichts darunter vorstellen. Was sind Diplomaten? Das war mit 20 Jahren für mich etwas Unbekanntes. Ich bin ja ursprünglich aus St. Kathrein am Hauenstein, einem kleinen Dorf in der Oststeiermark.
Ich bin mit meinem Schulenglisch dort hingekommen und das hat offensichtlich erst einmal gereicht. Innerhalb von acht Wochen habe ich den Job in der Tasche gehabt. Nach kurzer Zeit hat sich dann auch mein Englisch stark verbessert.
Die internationale Küche war für mich etwas sehr Interessantes und ich konnte unglaublich viel dazu lernen. Das, was ich in Österreich gelernt habe, war schön und gut, der Botschafter liebte meinen Kaiserschmarrn über alles. Aber bald waren zum Beispiel auch mein libanesischer Hummus sowie Baba Ghanoush, ein arabisches Melanzanipüree, äußerst beliebt.
Leider ist der britische Botschafter nach knappen drei Jahren krankheitsbedingt abberufen worden und wurde nicht nachbesetzt, worauf er mich bei seinen amerikanischen und kanadischen Kollegen empfohlen hat. Ich war dann übergangsmäßig drei Monate lang in der kanadischen Botschaft und wurde dort von der Frau des US-amerikanischen Botschafters abgeworben. Im September 1984 habe ich in der amerikanischen Botschaft zu arbeiten begonnen.
Die meisten Botschafter holten mich nach größeren Essen zu den Gästen hinaus, dabei habe ich unzählige Standing Ovations bekommen. Ich gab das Lob natürlich an mein Team in der Küche weiter. Ich hatte zwei von mir angelernte philippinische Gehilfinnen an meiner Seite, bei größeren Events bekam ich oft auch Verstärkung von außen.
Im Lauf der Zeit habe ich immer wieder für verschiedene Senatoren, Staatsgäste wie den ehemaligen Astronauten und NASA-Chef Charles Bolden und auch 30 Jahre lang einmal im Jahr für den amerikanischen Energieminister gekocht – während er an der jährlichen Energiekonferenz der UNO teilnahm. 1997 ist die damalige First Lady Hillary Clinton für ein Charity Event nach Wien gekommen. Es wurde ein ›Ladies Lunch‹ veranstaltet und ich durfte kochen. Mich hat immer wieder verwundert, wie am Boden geblieben solche Menschen eigentlich sind. Für die First Lady habe ich ein dreigängiges Menü aus einer Red-Pepper-Soup mit Sambuca, Ofenlachs auf Sauce Béarnaise, frischem Blattspinat und soufflierten Erdäpfeln gekocht. Zum Dessert gab es Apfelstrudel, den ich dank meinem Lehrmeister aus der Oststeiermark besonders gut backen konnte.
Jimmy Carter war der einzige Präsident, für den ich jemals kochen durfte. Das war bei einer Menschenrechtskonvention in Wien, wo auch der damalige UN-Generalsekretär Kofi Annan sowie der südafrikanische Erzbischof Desmond Tutu zum Empfang geladen waren. Dieses Event hat mir natürlich einiges an Lampenfieber beschert. Doch anschließend hat mich mein damaliger Chef, Botschafter John B. Ritch III, sogar aus der Küche geholt und es wurden Fotos gemacht. Das war für mich etwas ganz Besonderes. Danach war ich wochenlang in Hochstimmung.
Wegen Donald Trumps erstem Wahlsieg beschloss ich, mich früher als geplant in Pension zu begeben. Es wurde aber 2018 eine sehr nette Botschafterin nach Wien entsandt, für die ich, als sie interimsmäßig 2005 in Wien war, schon einige Wochen gearbeitet hatte. Hätte ich das gewusst, wäre ich wahrscheinlich länger geblieben. Auch in der Pension werde ich aber immer wieder für Dinners und Receptions in die Botschaft gerufen, was ich weiterhin sehr gerne mache. •
Ottilie Feldhofer (64) war nach einer kurzen Zeit in der britischen Botschaft 34 Jahre lang Küchenchefin in der Residenz des US-amerikanischen UN-Botschafters in Wien.