Ist uns das nicht zu blöd?

Warum Journalisten bei der FPÖ nicht aus der Vergangenheit lernen.

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Illustration:
Blagovesta Bakardjieva
DATUM Ausgabe Oktober 2026

FPÖ-Chef Herbert Kickl verblüffte im diesjährigen ORF-Sommergespräch mit einer Gegenfrage. ›Ist Ihnen das nicht zu blöd?‹, wollte er von der Journalistin Simone Stribl wissen, wobei nicht ganz klar war, was denn ›das‹ wäre.

Seine Frage war berechtigt. Sie sollte nur umformuliert werden: ›Ist uns das nicht zu blöd?‹ Uns, das wären alle in politisch-medialen Zirkeln außerhalb der freiheitlichen Blase. Und ›das‹ wäre seit den Jahren Jörg Haiders der Versuch, den Aufstieg der FPÖ in der Wählergunst mit den Mitteln der Empörung zu stoppen. 

Dieser Versuch hat schon vor 20 bis 30 Jahren nicht funktioniert. Es kann doch nicht sein, dass die heutige Generation in Politik und Medien so – nennen wir es – ungebildet ist, dass sie nicht weiß, woran ihre Vorgänger gescheitert sind. Die Methode taugte nicht, denn andernfalls würde die FPÖ in den Umfragen heute nicht 38 Prozent verbuchen können.

Denselben Teufelskreis, in dem heute wieder fast alle Politiker der übrigen Parteien und die meisten Mitarbeiter in den Medien herumrennen, gab es schon vor Jahrzehnten: Jede ihrer Provokationen bringt der FPÖ jede Menge Schlagzeilen, diese sichern Bekanntheit und lösen Empörung aus, worauf dann empört auf die Empörung reagiert wird. Und schon findet sich die FPÖ in der Mitte des politischen Diskurses wieder, wo die anderen Parteien sie nicht haben wollen, ihr aber dazu verhelfen. Jeder kann sich ausmalen, welchen provokanten Furor Jörg Haider in Zeiten von Social Media und der Dominanz der ›Klicks‹ auslösen würde. 

Aber es geht auch ohne Haider: Heute wie damals bekommt die FPÖ als Folge der Empörung über sie eine Reichweite, die sie mit Sachpolitik nie erzielen könnte. Wenn die jüngere Generation in den politisch-medialen Zirkeln es schon nicht so mit Kenntnissen über die jüngste Vergangenheit Österreichs hat, so sollte sie doch zumindest die Vorgänge in den USA verfolgen. Donald Trump hat die Methode: ›Ungeheuerlichkeit erzeugt Aufmerksamkeit und diese bedeutet politische Macht‹ perfektioniert. Man kann es ja nachlesen: Vor der ersten Wahl 2016 sagte der Chef des TV-Senders CBS, Les Moonves: ›Es mag nicht gut für Amerika sein, aber es ist verdammt gut für CBS.‹ Womit Trump 2016 die Wahl gewann, wusste Haider – im geschrumpften Maßstab österreichischer Verhältnisse – schon lange vor ihm einzusetzen.

Vor dem Hintergrund der Erfahrung aus den Haider-Jahren kann es doch keine Raketenwissenschaft sein, die richtigen Schlüsse zu ziehen: Kickl auf Sachfragen und Problemlösungen festlegen, statt  ihn als demokratische Zumutung zu bekämpfen; nicht ständig vor seinem unaufhaltsamen Aufstieg warnen und ihn so bleibend zum zentralen Thema machen; seine Begriffe, wie ›Volkskanzler‹ oder ›Remigration‹, nicht ständig übernehmen und ihn so zum Herrn des Diskurses machen. 

Es muss uns doch schon zu blöd sein, jetzt, in einer anderen Zeit, einer anderen politische Landschaft, unter anderen medialen Gegebenheiten als zu Haiders Zeiten, dasselbe erfolglose Verhalten zu kultivieren. In Österreichs Politik und Medien sind doch nicht nur Murmeltiere unterwegs, oder doch? Und zwar täglich? •

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