Mehr als nur Schwammerl
Ohne Pilze wäre das Leben, wie wir es kennen, unmöglich. Trotzdem wissen wir erstaunlich wenig über ihre Welt – und darüber, wie der Klimawandel sie verändert.
Es ist ungewöhnlich warm für Anfang Oktober. Bernhard Sams stampft durch den Wienerwald, alle paar Sekunden bückt er sich und schiebt Laub zur Seite. Die Herbstsonne wirft wechselnde Schattenmuster auf den Waldboden. Und es ist staubtrocken. ›Fürs Schwammerlsuchen war dieses Jahr katastrophal‹, sagt Sams. Der Hobbymykologe verbringt das ganze Jahr über viel Zeit im Wienerwald, um Pilze zu studieren. ›Rund um Wien gab es so gut wie keine Parasole oder Steinpilze, weil Pilze bei Dürre kaum Fruchtkörper ausbilden.‹ Doch das eigentliche Problem könnte tiefer liegen: unter der Erde, wo Pilze eine lebenswichtige Rolle für unsere Wälder spielen.
Was wir als Pilze oder auf gut Österreichisch als Schwammerl kennen, sind lediglich die sichtbaren Fruchtkörper eines weit verzweigten unterirdischen Universums an Myzel: Pilzfäden, die als feines Netz jeden Kubikzentimeter Waldboden durchdringen und dabei Bäume und Sträucher mit lebenswichtigen Nährstoffen versorgen. Bernhard Sams weiß, wie bedeutend dieses verborgene Netzwerk ist. Umso schockierter war er, dass Pilze selbst in den Ökologievorlesungen seines Landschaftsbaustudiums an der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) nur eine thematische Randerscheinung waren: Denn wer sich näher mit Pflanzen beschäftige, sagt er, ›landet zwangsläufig bei Pilzen‹. Sein Wissen über Mykologie hat er sich über die Jahre selbst angeeignet. Heute gibt er es bei ›Subterra Fungi‹ weiter, einem Unternehmen, das Pilzkulturen herstellt und Laien in Workshops die Pilzzucht näherbringt.
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