Gefährliche Beziehungen

Faschisten lesen Antonio Gramsci – aber auch Linke studieren mit fasziniertem Gruseln Nazi-nahe Denker. Man kann manchmal ja auch von Rechten lernen.

DATUM Ausgabe Oktober 2026

Mit dem Aufstieg der radikalen ›Neuen Rechten‹, den geistigen Stichwortgebern von FPÖ, AfD und Co., kam auch das Erstaunen darüber auf, dass es so etwas wie eine Szene faschistischer Intellektualität gibt. Nicht selten wurde sogar die Vermutung geäußert, dass die Rechten linke Theoretiker studieren, wie etwa den legendären italienischen Kommunistenführer Antonio Gramsci. Dieser entwickelte vor hundert Jahren im Gefängnis die Vorstellung, dass es mit der Machtübernahme in der Politik nicht getan ist, sondern dass eine starke Verankerung in den vermeintlich unpolitischen Vorräumen der Zivilgesellschaft deren Voraussetzung ist. Kurzum: eine Dominanz in den Diskursen. Gramsci nannte das ›Hegemonie‹, die Wahlerfolgen vorausgehen müsse. Vor allem mit dem französischen Ideologen der ›Nouvelle Droite‹, dem Autor Alain de Benoist, wird die Strategie eines ›Ideenklaus‹ (Armin Pfahl-Traughber) verbunden, Gramsci für die Rechte nutzbar zu machen. 

Die ›Identitären‹ gaben der Taktik den hochtrabenden Namen ›Metapolitik‹, was selbst schon ein bisschen intellektuell wirkte – klingt ja irgendwie griechisch. Dazu gehört: Vokabeln erfinden, neue Begriffe in den Diskurs bringen. Statt ›Deportation‹ einfach ›Remigration‹ sagen. 

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