›Es wird wieder scheppern‹

Fußball-Ultras prägen die Stimmung in Österreichs Stadien. Doch gerade das Wiener Derby zwischen Rapid und Austria mündet immer wieder in Krawallen. Geht Fankultur auch ohne Gewalt?

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Illustration:
Julius Maxim
DATUM Ausgabe März 2026

Es stockt beim Einlass. Ein Pulk an Rapid-Fans schiebt sich dichtgedrängt durch die Gitterkorridore. Die Sicherheitskräfte kontrollieren oberflächlich: Sie tasten Jacken ab, werfen flüchtige Blicke in Rucksäcke. Mehr ist kaum möglich. Wer sich Bengalos, Böller oder Rauchgranaten eng unter die Daunenjacke schnallt, kommt damit durch. Schlecht bezahlte Ordner werden kaum ihren Kragen riskieren und womöglich gewaltbereite Ultras gründlich abtasten.

Einmal im Stadion, wird die Pyrotechnik weitergereicht wie bei einem Staffellauf. Einer steht Schmiere, einer zündet. Es ist das 348. Wiener Derby und die Austria führt in der 89. Minute mit 2:0. Es knallt. Erst einer, dann mehrere Böller. Eine Werbebande beginnt zu brennen. Feuerwehrleute rennen über den Rasen, der Schiedsrichter unterbricht das Spiel, die Fußballer müssen an diesem kalten Wintertag im Februar 2026 vom Platz.

Schon das letzte Aufeinandertreffen der beiden Klubs mit Auswärtsfans im Allianz-Stadion im September 2024 war eskaliert. Es endete mit einem 2:1-Heimsieg für Rapid, doch das Ergebnis war an diesem Tag Nebensache. Das Spiel ging als ›Skandal-Derby‹ in die Geschichte ein. Nach Abpfiff warfen Austria-Anhänger Böller und Leuchtraketen auf das Spielfeld und auf eine Tribüne, auf der auch Familien saßen. Rapid-Ultras stürmten daraufhin über den Rasen, schossen mit Leuchtraketen zurück und forderten die Gegner zum Kampf auf. Auf dem Spielfeld kam es zu einer Massenschlägerei. 27 Verletzte, darunter zehn Polizisten, 577 Anzeigen.

Als Konsequenz einigten sich beide Vereine darauf, vier Derbys ohne Auswärtsfans auszutragen. Das 348. Derby sollte der Neustart sein. Er misslang.

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