Mit dem Latein am Ende
Bildungsminister Christoph Wiederkehr will KI- und Medienbildung als eigene Fächer an die Schulen bringen und dafür beim Sprachunterricht kürzen. Die Lehrerschaft ist so gar nicht begeistert. Wer hat recht?
Mitte Februar am Ella-Lingens-Gymnasium in Wien-Floridsdorf. Die Schüler der 5B nehmen im Lateinunterricht gerade Hannibal durch. Sie haben die Geschichte des antiken Feldherrn bis zu seiner Flucht aus Karthago gelesen und übersetzen gerade die letzten Sätze. Hier in der Schule machen sie das selbst, sogar ganz ohne Wörterbuch.
Und zu Hause? Wer hat schon einmal einen Lateintext mit KI übersetzt?
Lehrer Ondřej Cikán blickt in Richtung seiner Klasse. Niemand zeigt auf. Doch als er sich zur Tafel dreht und die Augen schließt, heben fast alle Schülerinnen die Hände.
Ob man das gut findet oder nicht – Künstliche Intelligenz prägt nicht nur zunehmend die Arbeitswelt und unseren Alltag, sondern auch die Schule.
Dass Neos-Bildungsminister Christoph Wiederkehr deshalb mehr über KI, Medien und Demokratie unterrichten lassen möchte, klingt also grundsätzlich vernünftig. Dennoch hat er sich mit seinem Vorschlag überraschend viele Gegner gemacht. Das hat nicht nur mit dem Umstand zu tun, dass Wiederkehr für mehr KI-Unterricht bei den Lateinstunden und den zweiten lebenden Fremdsprachen kürzen will. Sondern auch mit strukturellen Problemen eines Bildungssystems, das Reformen dringend nötig hätte. Was also war geschehen?
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