Spion und Scharlatan

Vor fast 60 Jahren rüsteten Raketenforscher Ägypten auf und gerieten ins Fadenkreuz des Mossad. Eine Schlüsselrolle spielte dabei der Österreicher Otto Joklik.

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Illustration:
Nele Fierdag
DATUM Ausgabe Juli/August 2021

Geheimnisverrat unbekannten Ausmaßes, ein Söldner-Abenteuer in Libyen, eine filmreife Flucht : Die Enthüllungen rund um Wirecard-Vorstand Jan Marsalek sind Zutaten für eine große Spionagegeschichte, der Fall ist derzeit in aller Munde. Weniger bekannt ist dagegen, dass ein Österreicher schon in den 1960er-Jahren die Hauptrolle in einem realen internationalen Agentenkrimi spielte. Und so unterschiedlich die Umstände sind, gibt es doch auch Parallelen : Sein und Schein gingen sowohl bei Jan Marsalek als auch beim vermeintlichen Raketenexperten Otto Joklik nahtlos ineinander über. Letzterer hat es gar geschafft, dem israelischen Geheimdienst Mossad eine der größten Pleiten seiner Geschichte zu bescheren.

Wie kam es dazu? 1962 hatte ein gewisser Otto Joklik mit brisanter Information aufhorchen lassen : Die israelische Metropole Tel Aviv befände sich bald in Reichweite ägyptischer Mittelstreckenraketen. Deren Gefechtsköpfe seien mit radioaktivem Abfall gefüllt, also Massenvernichtungswaffen. Zu diesem Zeitpunkt verfolgte der Mossad das Rüstungsprogramm des ägyptischen Präsidenten Nasser mit wachsender Besorgnis. Denn es wurde mit Hilfe von deutschen und österreichischen Technikern vorangetrieben. Einer dieser Berater war Joklik. Um die von ihm geschilderte Bedrohung abzuwenden, eskalierte bald ein Schattenkrieg mit Morden, Entführungen und Sabotage. Zu spät stellte sich heraus : Die angebliche Spitzenquelle Joklik war ein Hochstapler.

Aktuell verarbeitet werden diese Ereignisse in einem Roman von Merle Kröger (› Die Experten ‹). Obwohl das Thema in den letzten Jahren mehr Aufmerksamkeit bekam, ist eine Schlüsselfigur bis heute unkenntlich : Joklik. Seine Geschichte wird hier auf Basis von Dossiers der österreichischen Staats­polizei und neu ausgewerteten Unterlagen aus dem Schweizer Bundesarchiv rekonstruiert.

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Wörter: 2475

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Lesezeit: ~14 Minuten

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