Texte, die nicht wehtun

Immer mehr Verlage lassen ihre Inhalte vorab auf Diskriminierung prüfen. Aber wer entscheidet, was (nicht mehr) druckreif ist ?

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Illustration  :
Alexandra Turban
DATUM Ausgabe Oktober 2021

Julia will ihren vollen Namen nicht in der Zeitung lesen. Bereits als Jugendliche › wegen Fettfeindlichkeit und anti-indigenem Rassismus ‹ diskriminiert, wie sie selbst sagt, gründete sie 2018 ihren Instagram-Account › wirmuesstenmalreden ‹. Hasspostings und Drohnachrichten auf dem erfolgreichen Account (mehr als 20.000 Follower) machten sie zum Schutz ihrer Familie vorsichtig. Trotzdem beantwortete die 21-Jährige jahrelang kostenlos Posts, Insta-Storys und Nachrichten zum Thema Diskriminierung : › Dass immer die Nega­tivbetroffenen die Arbeit machen, ist für viele Menschen selbstverständlich. ‹

So beschloss sie, das Projekt mit einem Team größer aufzuziehen. DisCheck nahm im November 2020 die Arbeit auf. Gegen Bezahlung (ab 120 Euro für tausend Wörter) untersucht das Team Medien­inhalte auf ihre › Diskrimi­nierungs­sen­sibilität und Intersektionalität ‹. Heute sind 19 Personen in ganz Deutschland mit den unterschiedlichsten Backgrounds für das Kollektiv tätig. Eines haben sie jedoch gemeinsam : Wer bei DisCheck mitarbeitet, hat am eigenen Leib gespürt, wie sich Ausgrenzungen oder Verletzungen anfühlen. Julia sagt dazu : › Jede*r im Team bringt Expertisen und Perspektiven für einen Bereich mit, in dem er*sie selbst negativ betroffen ist und sich damit intensiv auseinan­dersetzt. ‹

Das Kollektiv deckt viele Themen ab. Bei Julia ist es auch Body Positivity sowie das Zusammenspiel von Sprache und Macht. Ihr Kollege Ilyas etwa kann zu Ab-
leismus und Saneismus sowie Bi- und Panfeindlichkeit informieren; bei Lena geht es um Cis-Hetero-Normativität und binäre Normativität; und Yvonne ist für anti-asiatischen Rassismus und intersektionalen Feminismus zuständig. Diese theoretischen Begriffe mögen manchen etwas ratlos zurücklassen (Anm. siehe Glossar). Die Erlebnisse hinter dem Fachjargon sind jedoch sehr real.

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Wörter: 2001

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Lesezeit: ~11 Minuten

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