Tik, Tok, Therapie

Seit Corona der seelischen Gesundheit junger Leute zusetzt, boomen psychologische Videos auf Social Media. Wer sind die Menschen, die sie anbieten? Und was sagen Experten dazu?

DATUM Ausgabe April 2021

Heute fühlt Vik sich schwer. Noch ehe sie aus dem Bett gestiegen ist, spürt sie die Last in jeder Faser ihres Körpers. Das Aufstehen macht keinen Sinn. Es gibt nichts, worauf sich Vik freut. Morgen sieht es nicht besser aus, und gestern war es genauso. Vik seufzt, tastet in Rückenlage nach ihrem Handy und klickt das schwarze Symbol mit der bunten Note auf ihrem Handybildschirm an. Vik heißt eigentlich Viktoria Wimberger. Die 21-Jährige engagiert sich gerade freiwillig in einer Wohngemeinschaft für Kinder und Jugendliche in schwierigen Situationen. In ihrer Freizeit kreisen Viks Gedanken oft um ihre eigenen Sorgen und Ängste. Auf Tiktok kann sich Vik einfach berieseln lassen. Hier sieht sie andere Menschen, denen es genauso geht wie ihr. Sie fühlt, dass sie nicht alleine ist, und ab und zu entfährt ihr ein herzliches ­Lachen. Das ist eine angenehme Abwechslung, in der das Leben für eine Weile einmal ganz simpel erscheint.

Viks Situation ist alles andere als ein Einzelfall : Junge Menschen sind die psychische Verlierergruppe der Corona-Pandemie. Die Hälfte der 18-bis 24-Jäh­rigen leidet an depressiven Symptomen, stellt die Donau-Uni Krems in ihren Studien fest. Bei den noch jüngeren Schülern ab 14 Jahren sind es sogar noch ein paar Prozent mehr. Auch Ängste und Schlafstörungen sind weitverbreitet. 16 Prozent der Schüler haben sogar suizidale Gedanken.

Die Sorgen, die alle betreffen, treffen die Jungen noch ein Stück mehr. Sie fürchten um ihre Zukunftsperspektiven und um künftige Jobs, verlieren Kontakt zu Peers und erleben Einsamkeit. Wer früher mit Freunden um die Häuser zog, um sich selbst und seine Grenzen auszutesten, hängt heute umso mehr am Handy fest. Die Smartphonenutzung hat sich unter den Schülern seit 2018 verdoppelt, zeigen Studien auf. Sie soll in Zeiten der Einschränkungen helfen, soziale Kontakte aufrechtzuerhalten. Weil die Zahlen rund um das psychische Wohlergehen alarmierend sind, baut die Österreichische Gesundheitskasse aktuell das Psychotherapieangebot aus. Ausreichend ist das Vorhaben aber nicht, kritisiert der Berufsverband Österreichischer PsychologInnen. Es mangelt nach wie vor an Krankenkassenplätzen für psychologische, psy­chi­atrische oder psychotherapeutische Behandlungen. Doch ohne Krankenkasse sind die Therapien für viele nicht leistbar. Das war bereits vor der Corona-Pandemie ein Problem, zeigt sich nun aber umso mehr, betont der Verband.

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