Uni brennt nicht mehr

Die Audimax-Besetzung vor zehn Jahren war eine Zäsur. Bleibt von ihr mehr als ein Stück Zeitgeschichte?

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Illustration:
Christian Bretter
DATUM Ausgabe Oktober 2019

Eigentlich schien mir der unipolitische Abschnitt meines Lebens im Herbst 2009 gerade vorbei zu sein. Ich war 25 und bemüht, mein Bakkalaureat an der Wiener Filmakademie zu erwerben, und meine Freundin war ungefähr im vierten Monat schwanger. Auf meine Zeit als Sachbearbeiter im bildungspolitischen Referat der Bundes-ÖH blickte ich mit einer Mischung aus Nostalgie und Enttäuschung zurück: Da war der Kampf gegen die gesetzliche Entmachtung der Hochschülerschaft unter dem Kabinett Schüssel II im Jahr 2005 gewesen, den wir heroisch geführt hatten – nur leider hatte sich außerhalb der Blase der in linken politischen Fraktionen engagierten Studenten gefühlt kein Schwein dafür interessiert. 

Nach meinem Wechsel an die Filmakademie hatte ich aus Pflichtgefühl noch eine Ein-Mann-Fraktion des VSStÖ an der Uni für Musik und Darstellende Kunst gegründet – nur um festzustellen, dass angehende Musiker, Schauspieler und Filmemacher noch um Eckhäuser politisch desinteressierter waren als der durchschnittliche Studierende an der Universität Wien. Jahrelang hatte ich mir zuvor in eiskalten Punschhütten vor der Hauptuni die Beine in den Bauch gestanden, um jeder Vorbeieilenden zu erklären, nein: argumentativ zu beweisen, warum das Heil der Welt vom Gebrauch ihres Stimmrechts bei den alle zwei Jahre wiederkehrenden ÖH-Wahlen abhing.

Im Herbst 2009 hatte ich daran längst selbst zu zweifeln begonnen. Der sektiererische Aspekt der unipolitischen Fraktionen und Bewegungen, mit ihren verpflichtenden Sprachcodes und ideologischen Zwängen, war mir immer schon auf die Nerven gegangen. Aber jetzt kam noch hinzu, dass der Widerstand gegen die sogenannte Bologna-Reform, deren Implementierung uns eine Verschulung der Studienpläne und eine Abkehr vom Konzept der Universität als Raum der Reflexion und des individuellen Bildungsweges bedeutete, wie alle Proteste der vergangenen Jahre gescheitert war – hauptsächlich daran, dass die große Mehrheit der Studenten einfach nicht politisch mobilisierbar war.

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