Vor der Tat

Zehntausende Österreicher sind pädophil. Was kann der Staat tun?

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Illustration:
Alice Wellinger
DATUM Ausgabe Juni 2017

Nie wieder, schwor sich Hubert*. Er schwor es sich jedes Mal, und jedes Mal ein bisschen weniger. Er kann es sich heute nur mit der Routine erklären, die sich entwickelt hat, mit jedem Mal mehr. Mittwochs, der Sohn in der Flötenstunde, die Frau in der Arbeit, die jüngste Tochter noch ein Säugling. Und Hubert allein zu Hause mit Stefanie*. Irgendwann soll sie begonnen haben, sich von allein auszuziehen. Weil sie wusste, der Papa erwartet das. Und der Papa, so erzählt er es heute, der sah das als Bestätigung. Ihr gefällt das eh, sagte er sich. Fünf Jahre lang. Fünf Jahre lang missbrauchte Hubert seine Tochter sexuell.

Wenn er heute dasitzt, in einem kleinen Innenhof in Wien, sieht er nicht aus wie das Monster, das man sich ausmalt. Eher wie ein Rocker im Ruhestand: Dunkles T-Shirt, einfache Jeans, Turnschuhe, Vollbart, runder Bauch. Während er spricht, schaut er seinem Gegenüber fest in die Augen. Man sieht in seine dunkelbraunen Augen und fragt sich, wie diese Augen Kinder sehen. Denn Hubert ist pädophil.

Das Gespräch kreist um eine große Frage: Wie sollen wir, als Gesellschaft, wie soll der Staat mit Erwachsenen umgehen, die Lust auf Kinder verspüren? Denn das sind nicht einzelne Personen. Das sind tausende. Je nach Studie haben zwischen einem halben und vier Prozent aller Männer sexuell auf Kinder gerichtete Fantasien. In Österreich liegt die Zahl bei den 30- bis 60-jährigen also irgendwo zwischen 10.000 und 75.000.

Hubert sitzt an einem Gartentisch mit buntem Mosaik-Muster. Darauf liegt eine Packung rote Chesterfield, die langen. Mit den Händen, die seiner Tochter das angetan haben, nimmt er eine Zigarette heraus. Er zündet sie an und erzählt seine Geschichte.

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