Vorteil Randlage

Investoren stellen Einkaufszentren an die ­Peripherie. Innen sterben die Kleinstädte.

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Fotografie:
Matthias Schickhofer
DATUM Ausgabe Mai 2017

Was der Mensch sät, das wird er ernten‹, prangt am Lagerhaussilo von Waidhofen an der Thaya. Der Betonturm steht am Rand der Kleinstadt im nördlichen Waldviertel – und überragt alles andere. Waidhofen empfängt seine Besucher wie fast alle Bezirksstädte mit einer Shoppingkulisse aus Schachtelgebäuden, bunten Markenlogos und Großparkplätzen – dem Thayapark und angrenzenden Gewerbegebieten. Auf den mehr als 10.000 Quadratmetern Verkaufsfläche finden sich große Mieter wie Müller, Fussl Modestraße, Takko, Deichmann, C&A, Intersport und Eurospar. Nicht weniger als fünf Supermärkte haben sich in der autoaffinen Peripherie mit ihren Verkaufshallen festgesetzt, darunter gleich zwei Spar-Filialen in Rufweite zueinander. Außerdem locken Filialen bekannter Textil-, Drogerie- und Sportausrüstungketten die Kundschaft mit ›Sale!‹- und ›50 % reduziert‹-Tafeln. Glitzernde Shoppingverheißungen und ein bisschen große Welt in der flachen, leeren Landschaft des oberen Waldviertels.

Auf dem Weg ins Stadtzentrum ändert sich das Bild: Ramponierte Häuser kommen ins Blickfeld. Der schm­u­cke­, mit einer Aufenthaltszone aufgeputzte Stadtplatz ist wie ausgestorben, ein beträchtlicher Teil der Geschäftslokale steht leer. Blinde Fenster, darauf Zettel mit den Telefonnummern der Vermieter. Dekorationsversuche mit Bildern gegen die Tristesse der ausgeräumten Schaufenster, übermalte Firmenlogos eingegangener oder abgesiedelter Betriebe, Papierüberklebungen. Sterbende Innenstadt hier, bunte und laute Shoppingmall dort. Da ist offenbar gründlich etwas schiefgegangen.

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