Wir können auch anders

Die Coronakrise schränkt unser Leben massiv ein. Was lässt sich daraus für den Kampf gegen den Klimawandel lernen?

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Illustration:
Andreas Leitner
DATUM Ausgabe April 2020

Man könnte meinen, die Erde rächt sich: Zuerst Waldbrände in Australien, dann eine Heuschreckenplage in Ostafrika, und nun die Pandemie. Das Coronavirus, COVID-19, hat die Welt zum Stillstand gebracht. Wir stecken in­mitten einer Krise, genauer gesagt, inmitten multipler Krisen. Die Coronavirus ist dabei kein von der Klimakrise völlig getrenntes Phänomen, sondern zum Teil ebenfalls Symptom unseres sorglosen Umgangs mit Ressourcen und Umwelt.

Wie kann das sein? Nun, nicht die wilden, abgelegenen Gegenden sind der Schnellkochtopf für die Erreger, sondern unsere destruktive Art, mit diesen Gegenden und ihrer Vielfalt an Pflanzen und Tieren umzugehen, so die heutige Meinung vieler Biodiversitätsforscher und Epidemiologen. Vor 20 Jahren glaubte man etwas anderes: Viren und andere Pathogene, die zu Epidemien und Pandemien führen, kommen aus der unangetasteten Natur, so die damalige Theorie. Dort, in den Tiefen der tropischen Regenwälder und inmitten der exotischen Wildnis würden die Erreger von Krankheiten wie HIV, Dengue und Ebola schlummern.

Heute weiß man, dass die Ausbreitung von Epidemien auf mehreren Ebenen mit ökologischen Problemen zusammenhängt: Wälder werden abgeholzt, Ressourcen wie Kohle auf weiten Flächen abgebaut, Straßen errichtet und so Flächen mit Beton oder Asphalt versiegelt, womit die darunterliegenden, wertvollen Ökosysteme außer Balance gebracht werden. Moskitos lieben zum Beispiel frisch abgeholzte Flächen, die oft reichlich Sonne und Wasser bekommen – eine Brutstätte für Krankheiten wie Malaria und Dengue. Zusätzlich können sich Kranksheitsverbreiter wie Moskitos oder Zecken mit wärmeren Temperaturen weitere Gebiete erschließen. Außerdem scheinen einfältige Landschaften (also jene mit weniger Artenvielfalt, wie Monokulturen) mit größerer Wahrscheinlichkeit mehr Viren zu übertragen, so Experten der ›Planetary Health Alliance‹, ein Konsortium aus Universitäten, NGOs und Forschungsinstituten der ganzen Welt. Denn zerstört man Lebensräume und vermindert die Vielfalt, können auch Arten verloren gehen, die eine schützende Rolle übernehmen. Das sind zum Beispiel Arten, die ein stärkeres Immunsystem haben. Und andersherum gilt auch: Wenn durch zerstörte Lebensräume zum Beispiel Fuchs oder Eule wegfallen, wird auch die Population von potenziellen Überträgern wie Mäusen nicht mehr unter Kontrolle gehalten.

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