Am olympischen Buffet

Wie Österreichs Sportförderung Netzwerker anstatt Talente belohnt.

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Illustration:
Tom Mackinger
DATUM Ausgabe Oktober 2016

Peter Schröcksnadel ist aufgeregt. Er blättert in seinen Unterlagen und findet nicht, was er sucht. Sportminister Hans Peter Doskozil und er bilanzieren Ende August in der Rossauer Kaserne, dem Feldherrenhügel des Heeres und der Sportler, die Sommerspiele in Rio de Janeiro. Die beiden haben eben Lukas Weißhaidinger als Musterbeispiel für die Wirksamkeit des zwanzig Millionen Euro schweren Sonderförderprogramms Rio 2016 genannt. Doch das stimmt leider nicht. Der Diskuswerfer, Sechster des olympischen Bewerbs, ist eher ein Beweis für die Planlosigkeit der Sportförderung. Er wurde nämlich 2015 wegen mangelnder Leistung aus der Sonderförderung für Rio gestrichen. Schröcksnadel, ÖSV-Präsident mit vielen weiteren Funktionen, hat diese Initiative geleitet, und nun will er den Beweis antreten, dass er Weißhaidinger nicht im Stich gelassen hat, als der die Unterstützung am dringendsten gebraucht hätte. Schröcksnadel will das nicht einsehen.

Aber er muss. Hannes Gruber, der Sportkoordinator des Leichtathletikverbands, bestätigt, dass Weißhaidinger 2015 aus der Förderung eliminiert wurde. Nur ein Beispiel für die unprofessionellen Prozesse und Gremien der heimischen Spitzensportförderung. Und die ist ein Teil der schwammigen öffentlichen Bürokratie mit partei­politischen Postenbesetzungen, Freunderlwirtschaft und jeder Menge Geld aus staatlichen Förderungen und staats­nahen Betrieben.

Schröcksnadel erfreut sich des Wohlwollens der politischen Kaste in Österreich. ÖVP-Bundeskanzler Wolfgang Schüssel wollte ihn zum Sportminister machen. Aber ein Schröcksnadel arbeitet lieber auf eigene Rechnung. SPÖ-­Sportminister Gerald Klug setzte ihn als Koordinator des Sommersportprojekts Rio 2016 ein. SPÖ-Sportminister Doskozil lobt die Kompetenz des ÖSV-Präsidenten über den weißen Schnee.

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