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Angesichts der Wut

Opferanwältinnen sind verstört, das Ansehen der Justiz ist beschädigt. Im Fall Anna ist vieles schiefgelaufen. Welche Lehren lassen sich daraus ziehen?

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Illustration:
Ūla Šveikauskaitė
DATUM Ausgabe Februar 2026

Zehn Jugendliche, die Sex mit einem Mädchen hatten, verlassen einen Gerichtssaal als freie Bürger, und draußen schlägt ihnen Wut entgegen. Und das Mädchen, ein mutmaßliches Missbrauchsopfer, muss mit der Erkenntnis nach Hause gehen, dass das, was ihr widerfahren ist, für einen Schuldspruch nicht reicht. 

Der ›Fall Anna‹, der im Herbst 2025 am Wiener Straflandesgericht verhandelt wurde, erschütterte das Land – und seine Folgen wirken bis heute nach. Die Wut, das Unverständnis, das Misstrauen in die Justiz sind geblieben. Der Fall der damals zwölfjährigen Wienerin ist nicht nur menschlich tragisch. Er ist auch ein Lehrstück darüber, was passiert, wenn die dritte Gewalt und die öffentliche Debatte auseinanderdriften. 

Wie kam es dazu? Im Zentrum dieser Frage steht auch der Anwalt des Opfers: Sascha Flatz.

Der 47-jährige Wiener Strafverteidiger wurde als Social-Media-Jurist mit hoher Reichweite bekannt, als jemand, der komplexe Rechtsfragen pointiert erklärt und keine Scheu vor Zuspitzung hat. Anfang Jänner etwa stellte er sich vor das blaue Logo seiner Kanzlei und erklärte seinen 110.000 Tiktok-Followern, warum er ›gut findet, was Trump gemacht hat‹, nachdem das US-Militär den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro entführt hatte. Völkerrecht hin oder her – in den Kommentarspalten schlug ihm dafür ungeteilte Zustimmung entgegen: ›Danke für diese grenzgeniale Aufklärung!‹, schrieb ein User. Ein anderer: ›Starke Analyse!‹ 

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