Auf der Karriereleiter
Kaum ein Filmland zeigt den Irrsinn kapitalistischer Klassenhierarchien und ihre Auswirkungen auf Arbeits- und Alltagswelten so spöttisch und kompromisslos wie Südkorea. Entsprechend wenig überraschend trägt der neue Film des gefeierten Regisseurs Park Chan-wook den Titel ›No Other Choice‹ (im koreanischen Original: ›Ich kann es nicht ändern‹). Hauptfigur ist Mansu, ein Mann mittleren Alters mit großzügigem Haus, einer Ehefrau, die Tennisstunden nimmt und einer Tochter, die Cello spielt. Als er seinen Managementjob in einer Papierfabrik verliert, gerät er nicht nur in finanzielle Schwierigkeiten – die Arbeitslosigkeit nagt auch an seiner männlich-patriarchalen Identität. Er beschließt, zur Wiederherstellung seines gekränkten Stolzes, perfide und eigenverantwortlich sämtliche seiner Mitbewerber und Konkurrenten umzubringen, um so wieder seinen beruflichen Platz
zu behaupten.
Die Geschichte basiert auf dem amerikanischen Roman ›The Ax‹ von 1997 und wurde bereits 2005 als französische Produktion des Griechen Costa-Gavras verfilmt. Die Erzählung ist also, wie der Kapitalismus selbst, globalisiert. Ganz südkoreanisch sind allerdings der schrille Tonfall und die grotesken Zufälle dieser filmischen Farce, die in ihrer Drastik an den 2020 mit zahlreichen Oscars prämierten Film ›Parasite‹ erinnern. ›No Other Choice‹ ist zwar nicht Park Chan-wooks stärkster Film, ergänzt sein Werk aber stimmig um eine weitere, wuchtige Variante satirischer Gegenwartskritik.
No Other Choice
Regie: Park Chan-wook
Mit: Lee Byung-hun, Son Yejin,
Park Hee-soon, Lee Sung-min