Das verwelkte Feigenblatt

Politische Satire hat im ORF eine lange Geschichte – ist aber aktuell nicht mehr erwünscht.

DATUM Ausgabe Juli/August 2021

Um das Thema ›ORF und politische Satire‹ in seiner schillernden Vielschichtigkeit zu erfassen, kann man auch mit Siggi Neuschitzer beginnen. In seiner Funktion als von der FPK Gerhard Dörflers entsandter ORF-Stiftungsrat verteidigte er einst den damaligen Kärntner Landeshauptmann, als dieser sich wieder einmal offen zu einem Gesetzesbruch bekannt hatte. Nach Dörflers Erklärung, er hätte sich ›mit Alexander Wrabetz auf eine neue Führung des Landesstudios geeinigt‹ – ein glatter Verstoß gegen das Rundfunkgesetz, das Landeshauptleuten ein Anhörungsrecht, aber kein Mitsprache- oder gar Entscheidungsrecht gestattet – erklärte Neuschitzer, dass es sich bei der auf diese Aussage folgenden öffentlichen Empörung um ›Krokodilstränen und den Versuch der Verpolitisierung des Stiftungsrates‹ handle. Zuvor hatte Dörflers ORF-Büttel schon durch einen Interventionsbrief an den Landesstudio-Kärnten-Chefredakteur auf sich aufmerksam gemacht, in dem er den Freiheitlichen nicht genehme Berichterstattung als ›ecklig‹ und ›eckelerregend‹ bezeichnete.

Das war nicht satirisch, sondern ebenso ernst gemeint wie eine Anfrage Neuschitzers im Herbst 2012 an die Programmverantwortlichen des Österreichischen Rundfunks, in der er wissen wollte, ob es neuerdings üblich sei, dass Kabarett- und Satire-Formate des ORF sich mit Politikern befassen. Anlass für diese Frage mit ›Ist es neuerdings üblich, dass man beim Schwimmen nass wird?‹-Qualität war eine Folge der TV-Satire ›Wir Staatskünstler‹. Nachdem Kärntner Geschäftsleute damals von Seiten der FPK immer ungenierter zu Parteispenden aufgefordert wurden, hatte ich gemeinsam mit Thomas Maurer und Robert Palfrader ein nach dem Vorbild der Anti-Mafia-Schutzgeld-Initiative ›Addiopizzo‹ gestaltetes Anti-Schutzgeld-Pickerl entworfen. Auf dem zum Anbringen an Geschäftslokalen und Firmensitzen konzipierten Klebebild stand unter einem Foto der ihre Hände aufhaltenden FPK-Granden Gerhard Dörfler, Harald Dobernig und Uwe Scheuch (alle mittlerweile rechtskräftig verurteilt) der Satz: ›Diese Firma ist so frei und zahlt kein Geld an die Partei!‹

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