Der faschistische Heilsbringer 

Wenn Donald Trump aus purer Verzweiflung als Befreier gesehen wird.

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Illustration:
Blagovesta Bakardjieva
DATUM Ausgabe Februar 2026

Es watschelt wie eine Ente, schwimmt wie eine Ente, quakt wie eine Ente. Dann ist es vermutlich eine Ente. So einfach ist das mit der Bestimmung gewisser Tatsachen. Das gleiche gilt für die aktuelle US-Administration. Zumal sie ihren ›Entenstatus‹ selbst bestätigt hat. Als der neu gewählte New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani seinen Antrittsbesuch bei US-Präsident Donald Trump im Weißen Haus absolvierte, fragte ihn eine Reporterin, ob Mamdani bei seiner Aussage bleibe, dass Trump ein Faschist sei. Bevor sich Mamdani erklären konnte, klopfte ihm Trump auf den Arm mit den Worten: ›Du kannst einfach ja sagen. Es ist einfacher, als es zu erklären. Es stört mich nicht.‹

Warum sollte es ihn auch stören? Er liefert ja längst den Beweis dafür. Er fällt in ein anderes Land ein und entführt dessen Präsidenten. Er droht Nato-Bündnispartnern, ihre selbstverwaltete Insel zu kaufen oder sie mit Gewalt einzunehmen, sollte sie sich nicht kaufen lassen. Er lässt vermummte Rambos jeden verfolgen, der nicht aussieht wie einer seiner MAGA-Lemminge, und stört sich auch nicht daran, wenn sie eine US-Staatsbürgerin erschießen. Er verfolgt politische Opponenten und pfeift auf alles, was mit Rechtsstaatlichkeit, geschweige denn mit einer regelbasierten Weltordnung zu tun hat.

Umso bitterer ist es, wenn er und die Seinen in manchen Teilen der Welt als Heilsbringer gefeiert werden. Hierzulande sind das Ex-Politiker wie Sebastian Kurz, ein regelrechtes Trump-Groupie.  Als ›great news‹ für die Leute in Venezuela und die gesamte freie Welt feiert der ehemalige Bundeskanzler den völkerrechtlichen Einfall in Caracas auf seinen sozialen Medien. Und begründet seine Worte damit, dass so die fundamentalistische Achse von Teheran bis Caracas am Zerbröseln sei und der Zugang zu Venezuelas Öl-Reserven, der größten der Welt, den Öl-Preis senken werde. Um bei der Enten-Analogie zu bleiben: Wie nennt man jene, die Enten ganz toll finden, vielleicht sogar selbst gerne eine Ente wären?

Kurz ist nicht der einzige, der den Faschisten Trump gut findet. Auch in anderen Teilen der Welt tun das Menschen. Obgleich aus anderen Gründen. Ob das manche Venezolaner sind, die Jahre des Maduro-Regimes durchlebt haben – und es vermutlich noch weiter durchleben, da Trump ja das System Maduro intakt ließ. Oder die Menschen im Iran, die seit Ende Dezember wieder ihr Leben auf der Straße riskieren, um sich von einem fundamentalistischen Regime zu befreien. Tausende wurden bereits ermordet. Wie viele es tatsächlich sind, wird die Geschichte zeigen. Einige Iraner setzen ihre Hoffnung in Trump, der ihnen mehrfach zugesichert hat: Hilfe ist auf dem Weg. 

Er hat sie angefeuert, weiterzumachen. Und sie taten es. Sie haben die Hoffnung einer Bevölkerung, dessen Staatsapparat mit scharfer Munition auf sie schießt, der Verwundete aus Krankenhäusern entführt und dann tötet. Der Ärztinnen inhaftieren will, die versuchen zu retten, was zu retten ist. Der Schrei einer verwundeten Nation nach jemandem, der diesem Töten Einhalt gebietet, egal wer, egal wie. 

Da nimmt man auch die faschistische Ente aus den USA in Kauf, und überklebt schon einmal Straßen mit ihrem Namen.

Dass Trump kein Interesse an einer Demokratisierung des Iran hat, liegt auf der Hand. Er verfolgt seine eigenen Interessen, immer und überall. Er ist kein Heilsbringer für Demokratie und Freiheit. Dass er trotzdem als solcher von manchen herbeigesehnt wird, sagt mehr über den Grad der Verzweiflung aus als über den Wunsch, seine ›Hilfe‹ auch tatsächlich anzunehmen. •

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