Ein unauffälliger Agent

Russlands Präsident Wladimir Putin kokettiert gerne mit seiner Vergangenheit als KGB-Spion. Dokumente der DDR-Staatssicherheit, die vor wenigen Jahren in den Aktenbeständen einer Außenstelle gefunden wurden, lesen sich im Licht des Ukraine-Krieges neu. Aber auch viele der Verstrickungen Österreichs mit dem Kreml haben ihren Ursprung in der Wendezeit.

DATUM Ausgabe März 2023

Er ist die sowjetische Ausgabe von James Bond: Wortkarg, emotionslos und pflichtbewusst. In der TV-Serie ›Siebzehn Augenblicke des Frühlings‹ von 1973 infiltriert der Geheimagent Maxim Issajew unter dem Alias ›Max Otto von Stierlitz‹ den engsten Machtzirkel Adolf Hitlers. So kommt er in den letzten Kriegsmonaten einem Komplott auf die Spur. Teile der Nazi-Elite wollen einen Separatfrieden mit den Alliierten aushandeln, was zu Lasten der Sowjetunion gehen würde. Also tut Stierlitz alles, um dies zu hintertreiben. Selbst als in einem Berliner Café eine Zusammenkunft mit seiner Frau arrangiert wird, bleibt es nur bei sehnsuchtsvollem Blickkontakt von Tisch zu Tisch. Irgendwann stehen die Frau und ihr Begleiter auf und verlassen das Lokal. Stierlitz bleibt regungslos sitzen und widmet sich gleich wieder ­seiner Aufgabe: nach Beweisen für die Geheimverhandlungen zu suchen.

Niemand geringerer als KGB-Chef Juri Andropow hatte ›Siebzehn Augenblicke des Frühlings‹ als Verfilmung eines Romanzyklus in Auftrag gegeben, um das Image des sowjetischen Geheimdiensts aufzupolieren. Und das gelang. Bis heute ist Stierlitz eine wichtige Referenz in der russischen Populärkultur. Unter den zahllosen Fans sticht einer besonders heraus: Wladimir Putin. Einem Biografen erzählte er: ›Als ich in der neunten Klasse war, wurde ich von Filmen und Büchern beeinflusst, und in mir reifte der Entschluss, für den KGB zu arbeiten.‹ Putin war 21 Jahre alt, als die Serie zum ersten Mal ausgestrahlt wurde. 1975, zwei Jahre später, trat er selbst in den Dienst des KGB. Das Vorbild Stierlitz hatte diese Entscheidung maßgeblich beeinflusst. Aber schon Putins Vater hatte im Zweiten Weltkrieg in der damaligen Geheimpolizei NKWD gedient. 

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