Fleischliche Begierden

DATUM Ausgabe Dezember 2025/Jänner 2026

Das Thema ›Fleischessen‹ polarisiert ja jetzt schon eine Weile. Passend dazu präsentiert das Wien-Museum derzeit unter dem schlichten Titel ›Fleisch‹ eine sehenswerte, umfangreiche Ausstellung über die Geschichte des Fleischkonsums in der Stadt. Der Fleischstandort Wien hat wegen der Nähe zu ungarischen Viehzüchtern eine lange Tradition als Handelsknotenpunkt.

So war etwa der Viehmarkt St. Marx im 19. Jahrhundert einer der größten in Europa und bestand auch als Schlachtort bis in die 1990er-Jahre. Systematisch, mit Stationen zu den Themen Tierhaltung, Schlachtung, Verkauf und Zubereitung, zeigt die Schau sowohl historische Entwicklungen als auch gewachsene Mythen. So räumt die Ausstellung etwa mit der Idee umfassender artgerechter Tierhaltung in vorindustriellen Zeiten auf und zeigt Wunschdenken und idealisierte Naturverklärung im Zusammenhang mit Fleischkonsum, vom 19. Jahrhundert bis zu Werbekampagnen der Gegenwart.

Und obwohl Fleisch für das kulinarische Selbstverständnis Wiens so wichtig ist, Fleischhauer und Wurstfabriken das Stadtbild lange prägten, war Wien auch eine Pionierstadt für Tierschutz und Fleischlosigkeit. Erste vegetarische Restaurants eröffneten bereits im späten 19. Jahrhundert. Dass es darüber, abgesehen von einer erstaunlich modern wirkenden Speisekarte aus dem Jahr 1900, in der Ausstellung wenig zu erfahren gibt, ist ein wenig schade. Doch für umfassende Information zu Fleisch und die dazugehörige kulturelle Einbettung bis in die Gegenwart lohnt sich ein Besuch allemal.

Ausstellung ›Fleisch‹

Wien-Museum, bis 22. Februar 2026

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