Genesen, aber nicht gesund

Viele Corona-Patienten leiden auch Monate nach ihrer Infektion noch unter Symptomen. Noch gibt es kaum Anlaufstellen für Betroffene. Zwei › Long Covid ‹-Patienten erzählen, wo sie Hilfe gefunden haben.

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Fotografie:
Konradin Schuchter
DATUM Ausgabe Februar 2021

Am 27. August 2020 tauchen bei der 32-jährigen Alexandra Marton-Krenek die ersten Symptome auf : Husten, leichte Halsschmerzen, Gliederschmerzen. Sofort ist ihr klar, dass es Covid-19 sein muss, weil sie die Tage zuvor mit einer positiv getesteten Person in Kontakt war. Nachdem ein Test ihre Vermutung bestätigt, setzen auch schon weitere typische Symptome ein, wie man sie von vielen anderen Covid-19-­Er­krank­ten kennt : Verlust von Geschmacks- und Geruchssinn, Schmerzen im Brustbereich, Herzrasen, Übelkeit, Schwindel und eine extreme Müdigkeit. Es ist ein vergleichsweise harm­loser Verlauf. Marton-Krenek muss nicht ins Krankenhaus und kuriert sich zu Hause aus. Nach 14 Tagen geht es ihr wieder besser und die im mittleren ­Management eines großen Konzerns beschäftigte Wienerin nimmt im Home Office ihre Arbeit wieder auf.

Doch kaum hat sie wieder ange­fangen zu arbeiten, kehren die Symptome zurück. Nach längeren Telefonaten und Online-Meetings ist sie extrem erschöpft, das Atmen fällt ihr schwer, beim Verfassen von E-Mails wird ihr übel, und das Stechen in der Brust taucht auch wieder auf. Sie versucht sich zu schonen, macht viele Pausen, legt
sich mittags schlafen. Doch am 17. September, vier Tage nachdem sie ihre Arbeit wieder aufgenommen hat, geht es einfach nicht mehr und sie muss kurzfristig abbrechen.  ›Ich hatte das Gefühl, keine Kontrolle über meinen Körper zu haben ‹, sagt sie. Seither ist Marton-Krenek durchgehend im Krankenstand.

Nicht mehr ansteckend, aber noch krank

Ein knappes Jahr nachdem der erste Covid-19-Fall in Österreich offiziell bestätigt wurde, verzeichnet die AGES mittlerweile mehr als 350.000 Genesene. Doch hinter dieser Zahl verbergen sich immer mehr Fälle wie jener von Marton-Krenek : Menschen, die zwar nicht mehr ansteckend, aber auch noch lange nicht gesund sind.

Covid-19-Erkrankungen, bei denen Betroffene noch viele Wochen und Monate nach einer akuten Infektion gesundheitliche Probleme haben, werden meist als ›Long Covid ‹ bezeichnet. Als häufigste Symptome treten Erschöpfung, Kopfschmerzen, Konzentrationsschwächen, Störungen des Geruchs- und Geschmackssinns, Schmerzen im Brustbereich sowie Kurzatmigkeit auf. Die Liste der Symptome von Long Covid endet hier allerdings noch lange nicht. Betroffene berichten auch von Gelenkschmerzen, neuropathischen Schmerzen, Konzentrationsproblemen, Depressionen, Schlafstörungen, Ausschlägen oder anderen allergischen Reaktionen.

Immer öfter erscheinen Studien, die darauf hindeuten, dass ein nicht unwesentlicher Anteil von Corona-Infizierten an Long Covid leidet. Zuletzt hat eine Studie für Aufsehen gesorgt, bei der einige der ersten hospitalisierten Covid-19-Patienten aus Wuhan untersucht wurden. Die in der renommierten medizinischen Fachzeitschrift  ›The Lancet ‹ erschienene Studie stellte fest, dass 76 Prozent der 1.733 befragten Patientinnen und Patienten ein halbes Jahr nach Verlassen des Krankenhauses noch immer an Spätfolgen litten. Das britische Amt für Statistik (ONS) wiederum hat erhoben, dass jede zehnte Person, die in Großbritannien positiv auf Covid-19 getestet wurde, nach drei Monaten noch Symptome aufwies. 

In den bisher vorliegenden Studien zeigt sich, dass vermehrt Patienten mit schwerem Krankheitsverlauf von Langzeitfolgen betroffen sind. Doch was die von den sogenannten  ›Long Hau­lern ‹ am öftesten genannten Symptome betrifft, namentlich Fatigue, Erschöpfung und kognitive Einschränkungen, so scheinen diese oft auch bei Patienten mit milderen Verläufen aufzutreten.

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