Ist es eine Komödie?

Der Erfolg hat das Anspruchsniveau gehoben und man fühlt sich auch dann als Verlierer, wenn man bloß alles hat, was man braucht.

DATUM Ausgabe Oktober 2017

Peter Pilz beneide ich, erstens überhaupt, auch wegen seiner Gemeindewohnung, vor allem aber eines Moments in seinem Leben wegen, wegen seines unheimlichen starken Abgangs. Gerade war er nicht gewählt worden und es blieb ihm nur, am Rednerpult mit gewählten Worten zu erwidern: ›Das ist‹, sagte Pilz, ganz mit seinem Schicksal einverstanden (amor fati), ›eine klare demokratische Entscheidung. Die nehme ich respektvoll zur Kenntnis. Ich bedank’ mich für 31 Jahre als grüner Abgeordneter. Das war einfach eine tolle Zeit, eine erfolgreiche Zeit. Ich werde meine Arbeit bis zur Wahl des neuen Nationalrates fortsetzen – und dann beginnt für mich ein drittes Leben. Und auf das bin ich sehr gespannt. Vielen Dank, auf Wiedersehen.‹

Ob das ›echt‹ empfunden ist oder nicht, es ist eine herrliche Schmierenkomödie, ein in meinen Augen keineswegs abwertender Begriff: In der Schmiere erschöpfen sich die Schauspieler auf das Schönste! Sie hat auch etwas kulturell Allumfassendes: Alle, außer denen, die nicht gleich direkt von ihren Niederlagen leben oder die ihnen bloß ausgesetzt sind, müssen die Leute den Schmerz darüber, dass sie nicht gewählt wurden, in einen Sieg ummünzen. Am besten im Angesicht mit denen, die einem die Wunden geschlagen haben. Wenn man die Chance hat, tritt man heroisch ab, man respektiert ›klare demokratische Entscheidungen‹ und fügt sanguinisch hinzu: ›und schön war es doch, und schön war es doch.‹

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