Land der Ströme
Die österreichische Gesellschaft schwimmt in Alkohol. Warum können wir nicht ohne? Und warum sollten wir? Ein Streifzug auf den Spuren unserer Lieblingsdroge.
Das Bier und Wir
Es ist Samstagnachmittag, kurz nach 15 Uhr. Hunderte Gäste sind zur Veranstaltung ins steirische Pöllau gekommen, der Bürgermeister ist da, der Kapellmeister, die Landjugend, sogar ein Nationalratsabgeordneter hat vorbeigeschaut. Pfarrer Deogratias steht neben einem vollen Fass Bier und grinst.
Einstweilen wartet die Blasmusikkapelle unter blau-weißen Girlanden und grünem Tannenschmuck auf den Höhepunkt des heutigen Festes: den Bockbieranstich. Doch davor greift der Herr Pfarrer aus Burundi noch zum Mikrofon: ›Wenn ich Bier getrunken habe, dann geht’s mir gut.‹ Das Publikum johlt. Der Bürgermeister hämmert unter Trommelwirbel einen Zapfhahn ins Fass, Bier spritzt heraus, Tonkrüge laufen über, während Schaum die Bühne hinab auf den Boden fließt. Prost!
In Österreich findet man fast immer einen Anlass, um zu trinken – und wenn es keinen gibt, dann denken wir uns einfach einen aus. Magenbeschwerden nach einem Schnitzel? Schenken wir uns ein Stamperl Obstler ein, kippen es hinunter und nennen es ›Verdauungsschnaps‹. Brauchtumspflege? Nehmen wir ein Fass Bockbier, stechen es an und machen eine Party drumherum. Zwischendurch müssen ›Winzer-Königinnen‹ gekrönt werden, da sitzt man auch nicht gern auf dem Trockenen.
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