Millionenshow

Viel Geld für wenig Arbeit: Das verspricht Multi-Level-Marketing jungen Leuten. Abdullah aus Graz glaubt daran.

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Illustration:
Federica Bordoni
DATUM Ausgabe September 2017

›Wenn du schlecht über mich schreibst, bin ich im Arsch.‹ Einen Tag vor dem dritten Treffen wird Abdullah Badawi am Telefon nervös. Er habe wie vereinbart mit seinem Freund gesprochen, der zu den Szenegrößen in Österreich zählt und ihm die Interviewanfrage weitergegeben. ›Ich spreche mit Journalisten nicht mehr ohne meinen Anwalt‹, hatte der geantwortet. Jetzt ist Badawi nicht mehr sicher. Vielleicht ist dieses Treffen doch keine gute Idee.

Als Abdullah Badawi wieder als Antwort bekommt, dass er mit Kritik rechnen müsse, aber seine Ansichten im Artikel ebenfalls Raum haben werden, lässt er sich umstimmen. Einmal könne man es ja doch wagen, einen Journalisten seine Geschichte aufschreiben zu lassen, meint er. Abdullah Badawi, 22, Wachs im Haar, dicker Ring am Finger, ist ein Spieler. ›Der größte Fehler ist es, einer Möglichkeit keine Chance zu geben‹, lautet einer seiner Lieblingssprüche. Der berühmte Automobilhersteller Henry Ford soll das gesagt haben.

Ein schlechter Ruf ist überall auf der Welt, in jeder Gesellschaftsschicht, in jeder Menschengruppe schwer auszuhalten. In Abdullah Badawis Beruf ist er mit Sicherheit der Untergang: Willkommen im Multi-Level-Marketing.

Multi-Level-Marketing, kurz MLM, oder auch Network-Marketing genannt, ist das Gegenteil des herkömmlichen Handels. Produkte werden nicht vom Hersteller oder von Zwischenhändlern beworben, sondern von Kunden, die dafür eine Provision erhalten. Distributoren nennt man sie. Als Gegenleistung für die Provision verpflichten sich MLM-Distributoren dazu, monatlich eine bestimmte Menge der Produkte zu kaufen, andere Unternehmen verlangen Mitgliedsbeiträge. Für jeden weiteren Kunden, den ein von ihnen angeworbener Distributor anwirbt, bekommen sie ebenfalls Provision.

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