New York, New York

Die tschechische Fotografin Marie Tomanova lotet die Identität einer uns scheinbar vertrauten Stadt immer wieder neu aus.

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Fotografie:
Marie Tomanova
DATUM Ausgabe März 2024

Ein nacktes Paar in einer Badewanne, das ­direkt in die Kamera blickt, ein junger Mann vor urbaner Kulisse im Unterhemd: Ein Panorama an Identitäten und unterschiedlichen ­Lebensplänen strahlen aus den Augen dieser jungen Menschen. Diese Fotos erzählen Geschichten über Träume, Risiken, Überleben und das Finden des eigenen Weges, und sie spiegeln die Bestrebungen und die emotionale Landschaft der Menschen wider, die Marie Tomanova fotografiert.

Tomanova verließ 2011 den Bauernhof ihrer Familie in der kleinen Stadt Mikulov an der tschechisch-österreichischen Grenze, reiste in die Vereinigten Staaten und dort 2012 nach New York City – mit nur einem Koffer, ohne jemanden zu kennen. 

›New York, New York‹ ist ein Bild der Jugend, ein Panorama der persönlichen Landschaft und Porträt eines Ortes, in dem sich Mensch und ­Umgebung verflechten. Als mythischer Ort ist New York City ein Ort des Kommens und Gehens – eine Transitzone und gleichzeitig häufig Start des ›American Dream‹. Als Tor zu einem neuen Leben, zu einem Land der vermeintlich un­begrenzten Möglichkeiten ist die Stadt ein ­Kristallisationspunkt von Diversität und Mannigfaltigkeit. Von diesen Themen erzählen auch Tomanovas Bilder: Sie sind Spiegel und Seismograf einer jungen Generation, die sich stärker mit Fragen der Herkunft und sexuellen Identität, eingebunden in gesellschaftliche Prozesse, auseinandersetzt. Dabei geht es im Zentrum auch um die Frage von politischen Haltungen in einer globalisierten Welt jenseits von Hautfarbe, binärer Geschlechterzuordnung oder angeborener Klasse. Eben all das, was in Träumen einer besseren Zukunft die Welt ausmacht: Vielfältigkeit und Grenzenlosigkeit. Sehnsüchte und Grenzen, die auch die Inhalte der Songs von Frank Sinatra und Udo Jürgens widerspiegeln. •

Die in Tschechien geborene Marie Tomanova (*1984) gilt als eines der jüngsten internationalen
Talente ihrer Heimat und arbeitet als Künstlerin zwischen New York und Tschechien. In den letzten Jahren hat sie für Vogue und zahlreiche Modemarken fotografiert. 

* Felix Hoffmann leitet das Foto-Arsenal Wien, Österreichs neues Zentrum für fotografische Bilder und ›Lens Based Media‹. Das dafür vorgesehene Gebäude im Wiener Arsenal wird noch umgebaut, die Eröffnung ist für Anfang 2025 geplant. Interimistisch findet der Ausstellungsbetrieb im Museumsquartier statt – und im DATUM. Mehr Informationen: www.fotoarsenalwien.at