›Österreich muss aufwachen‹

Brexit, Le Pen, Orbán, Erdoğan – Europa hat Probleme. Und daran, sagt der EU-Abgeordnete Othmar Karas, sind wir selbst schuld.

·
Fotografie:
Gianmaria Gava
DATUM Ausgabe Mai 2017

Othmar Karas fährt pünktlich im Smart vor. Dienstag, 11 Uhr, Haus der Europäischen Union im ersten Wiener Gemeindebezirk. Genau eine Stunde nach Gesprächsbeginn steht Karas auf, ruft seine ›Mama‹ an und verschiebt das Treffen, das er mit ihr geplant hatte. Unser Gespräch dauert schließlich knapp drei Stunden.

Herr Karas, zum sechzigsten Jubiläum der Römischen Verträge gibt die EU wenig Anlass zum Feiern. Sie wirkt wie ein alter, kranker Mann. Was ist da los?
Die Debatte verschiebt sich aktuell dramatisch. Es wird ständig diskutiert, warum nationale Lösungen besser seien. Es gibt zweifellos Probleme: den Brexit, aber auch die Situation in Ungarn. Ich glaube aber, dass nicht das unser wirkliches Problem ist, sondern der Umgang damit. Derzeit wird in vielen Ländern Schuldzuweisung betrieben, anstatt zur Mitverantwortung zu stehen. Die negative Stimmung wird befeuert, anstatt Stimmung für das Richtige zu machen. Man entzieht sich der politischen Auseinandersetzung und ignoriert große Teile der Realität.

Auch in Österreich?
Auch in Österreich. Schauen Sie doch einmal über die Grenzen. Wir alle sind mit der Globalisierung konfrontiert, da spielt auch die Digitalisierung hinein, die technische Entwicklung …

Die Megatrends unserer Generation.
Es gibt aber auch eine politische und gesellschaftliche Entwicklung, die damit korreliert. Europa macht aktuell knapp zehn Prozent der Weltbevölkerung aus. Bis 2050 werden es – allein aufgrund der demografischen Entwicklung und ohne Migration – vier Prozent sein. Wir produzieren im Moment etwa zwanzig Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung. Aufgrund der Dynamik in Asien, Lateinamerika, Afrika werden es 2050 unter zehn Prozent sein. Diese Realitäten werden derzeit zu wenig in der innen- und europapolitischen Kommunikation der Mitgliedsstaaten abgebildet. Man erweckt stattdessen den Eindruck, wir müssten und könnten uns als einzelner Staat gegen diese Entwicklungen verteidigen. Und wählt den Kurs der Abschottung.

Den gesamten Artikel finden Sie in der
Mai-Ausgabe (2017) von DATUM. Und bis zu 50% vom Trafikpreis sparen.