Platzverweis

Der Kosovokonflikt manifestiert sich in Mitrovica in einem Fußballverein. Oder zwei.

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Fotografie:
Martin Valentin Fuchs
DATUM Ausgabe März 2017

Die schwere, grün bemalte Eisentür quietscht, als Bardhec Seferi den Riegel zur Seite schiebt. In den dunklen Gängen des Stadions haben die Wände noch die Minusgrade des Winters gespeichert. Seferis Atem wird sichtbar in der Kälte. Er zieht den Kopf ein, als er ins Freie tritt: ein zwei Meter großer Mann mit Lederjacke, schwarzem Hemd, Halbglatze, der sich für seine 56 Jahre gut gehalten hat. Durch die Wolkendecke über Mitrovica kämpfen sich die ersten Sonnenstrahlen des Frühlings. Nur der ausgetrocknete und mit Erdklumpen überzogene Rasen erinnert daran, dass die Saison der kosovarischen Liga erst nächsten Monat beginnt. Im Ostflügel des Stadions bilden grüne und graue Stühle den Schriftzug des lokalen Fußballvereins: Trepca.

In den Achtzigerjahren zierte dessen Logo Seferis Trikot. Er war die Nummer 5, der Abräumer im Mittelfeld. Mehr als dreihundertmal ging er durch die grüne Eisentür: vor ihm die jubelnde Menge, hinter ihm die Teamkollegen in schwarz-grünen Dressen. An seiner Seite: Tihomir Marković, Nummer 1, Tormann und sein bester Freund im Team. Über all die Jahre teilten sie sich ein Zimmer bei Auswärtsspielen. Vor dem Anpfiff standen sie nebeneinander. Der eine betete zu Allah, der andere zu Gott. Dann bildete die Mannschaft einen Kreis: ›Hajde Trepça jonë, ti je Kampion!‹, Hoppauf, Trepca, wir werden Meister. Nationalitäten, Religionen und Sprachen spielten damals bei Trepca keine Rolle. Bis im Jahr 1989 die Politik Einzug hielt in die Stadien des Kosovo. Bis Bardhec, der Albaner, den Platz räumen musste. Tihomir, der Serbe, durfte bleiben.

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