Zwischen Welten

Tobias erfuhr mit 15, dass er weder Frau noch Mann ist.

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Illustration:
Alice Wellinger
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Mitarbeit:
Lisa Edelbacher
DATUM Ausgabe November 2016

Am Anfang haben die Humers noch zwei Töchter. Katharina wird 1986 geboren, Theresa 1988. ›Theresa war eine total unkomplizierte Schwangerschaft und Geburt‹, sagt Elisabeth Humer, 53. Sie stellt einen kleinen Teller mit frisch aufgeschnittenen Zitronenscheiben auf den Holztisch und nimmt neben ihrem Mann Willi, 57, Platz. Die Zitrone stammt aus dem eigenen Garten, obwohl es im Mühlviertel eigent­lich zu kalt ist für Zitronenbäume. Hier ist dennoch einer gewachsen. Auf der Terrasse brennt die Sonne vom Himmel, es duftet nach frisch gemähtem Gras und ausgehendem Sommer. Und es ist still, selten rauscht ein Auto auf der Landstraße vorbei. Die perfekte Familienidylle. Anfangs. ›Als mir der Kinderarzt seinen Glückwunsch zum Mädchen aussprach, war das für uns die Theresa‹, sagt Elisabeth Humer. Wenige Monate nach der Geburt musste das Mädchen wegen eines Leistenbruchs ins Krankenhaus. ›Als sie mir Theresa nach der Operation brachten, war eine ganze Riege an Ärzten und Schwestern dabei‹, sagt die Mutter. ›»Wir wissen nicht, was es ist«, haben sie gesagt. »Wir wissen nicht, ob es ein Bub oder ein Mädchen ist.« Dann sind sie gegangen, alle.‹

Bub oder Mädchen? Es ist die erste Frage, mit der Verwandte und Freunde auf die Nachricht einer Schwangerschaft reagieren. Jedes Jahr aber kommen in Österreich zehn bis zwanzig Kinder zur Welt, deren Geschlecht nicht eindeutig bestimmbar ist. Sie sind weder Mann noch Frau und gleichzeitig beides. Der Volksmund spricht von Zwittern oder Hermaphroditen, die Fachbezeichnung lautet Intergeschlechtliche. Für die Medizin birgt die Frage unter der Bezeichnung Intersexualität oder Differences of Sexual Development (DSD) einen ganzen Schirm an medizinischen Phänomenen, die sich grob einteilen ­lassen: in genetische Frauen, die aussehen wie Männer; und genetische Männer mit weiblichen Geschlechtsmerkmalen.

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