Ach, diese Sehnsucht

Das Haus im Grünen ist Freiheitsversprechen, Lebensart, Statussymbol – und eine ökologische wie gesellschaftliche Zumutung.

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Fotografie:
Reiner Riedler
DATUM Ausgabe April 2025

Es begann mit einem kleinen Schmerz, dem ich nicht weiter auf den Grund ging, wohl, weil ich ahnte, dass er mich in Schwierigkeiten bringen würde. Ich bin das Kind von Häuselbauern, aufgewachsen in einem Einfamilienhaus, das ordentlich ausgerichtet mit Dutzenden anderen in einer Siedlung in Oberösterreich stand, umgeben von Aulandschaft, Wäldern und Äckern. Im Sommer wuchs der Kukuruz so hoch, dass man beim Radfahren nicht um die Kurve sah.

Nach der Matura zog ich in die Stadt, um zu studieren, innerlich jedoch bereits mit einer festen Bleibeperspektive ausgestattet. Ich verstand mich als urbanes Geschöpf, ein Selbstbild, das nicht frei von Widersprüchen war. Besuchte ich meine Eltern, registrierte ich, wie die Gegend meiner Kindheit allmählich von Lagerhallen, Gewerbezentren und Möbelhäusern überwuchert wurde, und nannte mich im bitteren Scherz ein ›Kind der Fliesenmärkte‹. Und dann war da plötzlich dieser kleine Schmerz.

Im Laufe der Jahre fühlte ich mich in der Stadt zunehmend eingezwängt, sehnte mich nach knorrigen Apfelbäumen und klarem Sternenhimmel – mithin nach weniger Zentrum, mehr Peripherie – und versuchte, so oft als möglich ins Grüne auszubüchsen. ›Das kommt mit dem Alter‹, bekam ich zu hören, ›von einer in die Wiege gelegten Anhaftung an Ziegel, ­Metall, Glas‹, die es abzuschütteln gelte. Rund um mich herum wurde um vererbte Häuser gestritten. Doch all das vermochte meinen Wunsch nach einer festen Bleibe mit Garten, der zu meinem Erschrecken irgendwann völlig offen zutage trat, nicht zu besänftigen. Das war es also: Ich sah Leute mittleren Alters jedes Wochenende ihre Autos vollpacken und mit Kindern, Hunden und Grillzeug in eine unbestimmte Glückseligkeit aufbrechen und am späten Sonntagnachmittag in die Stadt zurückkommen – und befand: Das sollte mir ebenfalls zuteilwerden.

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