An der Schwelle

Wohin man in der jungen österreichischen Kunstwelt auch blickt, an Anouk Lamm Anouk führt derzeit kein Weg vorbei. In ihrer Arbeit erforscht und inszeniert sie Zwischenräume – allen voran die eigene nicht-binäre Identität.

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Fotografie:
Ursula Röck
DATUM Ausgabe März 2022

Sie ist Preisträgerin des Strabag Art Award, das Kunstmagazin Parnass zählt sie zu den vielversprechendsten jungen Künstlerinnen Österreichs, im Kunstranking des Trend ist sie auf der Liste der ›Besten unter 40‹. Ihre Diplomausstellung präsentierte sie im Juni im Marmorsaal des Hotel Sacher, dessen Co-Besitzerin Alexandra Winkler eine Unterstützerin ist; Herausgeberin Eva Dichand sammelt ihre Arbeiten. Und Ende März stellt sie sowohl im Strabag-Kunstforum als auch auf der Spark Art Fair in Wien aus – Anouk Lamm Anouk hat mit 28 Jahren bereits eine steile Karriere hingelegt.

Ein wichtiges Element dabei ist der Auftritt der Künstlerin in den Sozialen Medien. Anouk, die manchmal auch als Model arbeitet, präsentiert sich dort mittels eines durchkomponierten, ästhetisch hochwertigen Instagram-­Accounts. Man sieht sie in ihrer eleganten Wohnung beim Malen, mit ihrer Ehefrau Marleen Roubik beim Ausspannen oder in geschmackvollen Posen vor ihren Bildern, deren Farbgebung bestens mit ihrer Kleidung harmoniert. In den (englischen) Posts schreibt sie unter ihrem Manifest ›No Age, No Gender, No Origin‹ auch über ihre Erfahrungen als nicht-binäre Person oder über die Rechte von Transpersonen. Anouk hat sich damit einen sehr eigenen Stil erarbeitet, der offensichtlich einen Nerv am Kunstmarkt trifft. ›Ich kann nur sagen – schön, wenn meine Person heute als zeitgeistig gesehen wird. Aber wer glaubt, dass ich mein Werk rein auf diesem Narrativ aufgebaut habe, der sollte sich meine Arbeit von Anfang an ansehen‹, erklärt die Künstlerin.

Denn mag ihr Erfolg auch Ausdruck einer derzeit am Kunstmarkt trendigen Diversifizierung sein, so liegt Anouks Beschäftigung mit sexueller oder geschlechtlicher Identität doch lange zurück. Das ist bereits in dem Portfolio zu sehen, mit dem sie sich 18-jährig an der Akademie der bildenden Künste in Wien bewarb. Hier sind nicht nur bereits Anouks individueller Strich in den Zeichnungen und ihre Ästhetik in den Fotografien erkennbar, sondern ebenso ihre Beschäftigung mit Genderthematik. Ihr künstlerischer Umgang damit ist subtil; betrachtet man in ihrem Studio heute ihre großformatigen Gemälde, stellt sich zuerst einmal ein Gefühl der Harmonie ein. Sie malt mit Acryl auf naturfarbenem Leinen, ihre Farben sind Schwarz, Weiß und Schattierungen von Beige.

Ein wiederkehrendes Motiv ist das Lamm, das für Anouk die Unberührtheit der Gedanken repräsentiert. Es gäbe eine innere Wahrheit, mit der man geboren würde, sagt sie – hier spielt die Künstlerin, die sich seit ihrer Kindheit weder als Frau noch als Mann gefühlt hat, auf ihre eigenen Erfahrungen an.

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