Der dritte Mann

Wie Gernot Blümel und Alexander Schallenberg galt Thomas Schmid einst als ›Spindelegger-Boy‹. Sein Aufstieg zum Chef der Staatsholding beschäftigt bis heute einen U-Ausschuss und die Justiz. Wie skrupellos macht der jahrelange Umgang mit geliehener Macht ?

DATUM Ausgabe Februar 2021

Das Gebäude zwei Blocks hinter der Wiener Ringstraße ist schon von Weitem nicht zu übersehen. Der simple Glas-Beton-Bau wirkt wie ein Fremdkörper inmitten der Gründerzeit-Bauten. Jahrzehntelang diente er als Zentrale der Volksbanken AG, heute gehört er zum Bestand der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG). Das ist jene Gesellschaft, in der alle Gebäude im Besitz des Bundes gemeinsam verwaltet werden. 

400 Schulen, mehr als 200 Univer­sitätsgebäude, an die tausend Wohn- und Büroobjekte sowie hunderte › Spezialimmobilien ‹ wie Gefängnisse und Gerichte zählen zum Portfolio der BIG. Sie ist damit einer der größten Immo­bilieneigentümer des Landes. Das letzte Wort im Umgang mit dem Betongold der Republik hat die ÖBAG. Die ›Österreichische Beteiligungs Aktiengesellschaft‹ übt die Eigentümerrechte in allen Beteiligungen des Bundes aus : Von börsenotierten Unternehmen wie dem Verbund, der OMV, der Post oder der Telekom bis hin zum Immobilienverwalter BIG. 

In den achten Stock der staatsei­genen Immobilie in der Wiener Kolingasse ist vor knapp zwei Jahren der Chef der Staatsholding und damit auch der oberste Hausherr der BIG eingezogen.  Der neue ÖBAG-Alleinvorstand Thomas Schmid wollte sich nicht nur eine teure Miete an einer repräsentativen ­Innenstadtadresse ersparen. Er konnte damit auch seinen gelernten Job als lang­jähriger Marketing- und Pressemann nicht verleugnen : Eine Staatsholding muss in Staatseigentum residieren. 

Selbst solche kleinen Zeichen des Goodwill kann der 45-jährige enge Weg­gefährte von Kanzler Sebastian Kurz gut gebrauchen. Denn keine Job­ver­gabe war in den letzten Jahren so umstritten wie die Kür des gelernten Juristen und Politikwissenschaftlers zum obersten Manager des Vermögens aller Österreicher. 

26,6 Milliarden war das Familien­silber der Republik zum jüngsten Stichtag der Vermögensbewertung am 31.12. 2020 wert. Vom Baby bis zum Greis heruntergebrochen hat damit jeder Österreicher 2.984 Euro auf der hohen Vermögenskante. Und muss darauf vertrauen, dass einer daraus das Beste macht, der vielen Österreichern bis vor Kurzem nicht nur gänzlich unbekannt war, sondern auch noch nie in der Führungsetage eines Unternehmens ge­arbeitet hat. Mehr Aufmerksamkeit bekam er erst in den vergangenen Mo­naten durch Zuschreibungen, die alles andere als vertrauenserweckend sind. Schamlose Begünstigung von Parteifreunden und hemmungsloser Postenschacher gehören nach wie vor zur Realverfassung der Landes. So grell wie im Fall Thomas Schmid ließ sich das Bild der Republik als Selbstbedienungs­laden noch nie ausleuchten. Es ist – je nach Lesart – einem glücklichen Zufall oder der Ungunst des Schicksals zu verdanken.

Das Ibiza-Video bescherte nicht nur ÖVP und FPÖ einen hochnotpeinlichen Untersuchungsausschuss über die ›mut­maßliche Käuflichkeit der türkis-blauen Bundesregierung‹. Für hochrangige Akteure im schwarz-türkis-blauen Wirtschafts- und Politik-Milieu regnete es auch Strafanzeigen und Hausdurch­suchungen. 

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