Der Unruhestifter

Albin Kurti ist der Hoffnungsträger für junge Menschen im Kosovo – einem Staat, den er eigentlich abschaffen will.

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Fotografie:
Martin Valentin Fuchs
DATUM Ausgabe März 2018

Unverputzte Ziegelsteinhäuser und Betongerippe ziehen am Fenster vorbei. Die meisten haben keinen Zaun, keine Einfahrt, keinen Garten. Sie stehen auf Äckern und Wiesen unweit der Hauptstraße, an der sich Autowerkstatt an Autowerkstatt reiht. Der Mann, der gedankenverloren aus dem Fenster blickt, liebt es, sich blumige Metaphern auszudenken. Früher, als Student mit langer, zotteliger Mähne und karierten Flanellhemden, war das anders. Da brüllte er Parolen in ein Megaphon, je plakativer desto besser, auf der gerunzelten Stirn eine Zornesfalte. Heute trägt er Slim-Fit-Anzüge wie Kanadas Regierungschef Justin Trudeau und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Seine Haare sind kurz und von ersten weißen Strähnen durchzogen. Der Revoluzzer von damals gibt sich staatsmännisch. Wenn er spricht, dann macht er lange Pausen zwischen den Sätzen, um nachdenklich und philosophisch zu wirken. Er zitiert Judith Butler und Sigmund Freud. Albin Kurti, der lauteste Oppositionelle des Kosovo, donnert nicht, er haucht die Sätze, als wären sie zerbrechlich. ›Diese Häuser da draußen‹, sagt Kurti, ›stehen sinnbildlich für das ganze Land. Wir haben ein Dach und ein Fundament, aber dazwischen fehlt etwas.‹

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Wörter: 3446

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Lesezeit: ~23 Minuten

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