Die Verweigerer

Staatsleugner lehnen die Republik Österreich ab. Dafür basteln sie sich eigene Nummerntafeln und Geldscheine.

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Fotografie:
Ronnie Niedermeyer
DATUM Ausgabe Februar 2017

Es gibt nur sehr wenige Menschen, die von der Wahrheit wissen, sagt Günther. Er sei einer von ihnen. Vielleicht wissen es zehn, aber wahrscheinlich nur fünf Prozent der Menschen im Land, sagt er, dass die Republik Österreich ein großer Betrug ist. Günther macht da nicht mit, schon seit dem 8. August 2016 nicht mehr. Da unterzeichnete er seine Befreiungserklärung und sagte sich los von der Republik und all ihren Lasten und Pflichten. Günther ist seither Mitglied im Staatenbund Österreich, einem Konkurrenzstaat zur Republik. Er lebt jetzt nicht mehr in der Stadt Wien, sagt er. Sondern im Staat Wien. Für ihn gelten auch keine Gesetze mehr. Zumindest glaubt er das.

Günther, 56 Jahre alt, heißt eigentlich anders. Er will seinen Namen nicht öffentlich nennen, weil er keine Probleme will. Günther ist ein Staatsleugner. Und er ist nicht der Einzige im Land. Immer mehr Menschen in Österreich wollen die Hoheitsgewalt der Republik nicht mehr akzeptieren. Sondern als freie, souveräne Individuen leben. Sie formieren sich in Gruppen, die sich Freeman, Terrania oder Staatenbund Österreich nennen. Nach ihren Regeln gelten die Gesetze des Landes nicht, nicht für sie. Sie weigern sich, Steuern zu zahlen, begleichen Schulden und Verwaltungsstrafen nicht. Der Staat, sagen sie, ist eine Firma. Genauso die Polizei, das Finanzamt, die Gerichte. Sie lehnen jegliche staatliche Autorität ab und überschwemmen Ämter und Behörden mit fiktiven Geldforderungen und Klagen.

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