In der Pipeline

Durch den Krieg in der Ukraine interessiert sich die Öffentlichkeit plötzlich für die österreichische Gasinfrastruktur. Doch wie funktioniert die eigentlich?

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Fotografie:
Nikolaus Ostermann
DATUM Ausgabe September 2022

Wenn Sie sich da unten einen See aus Gas vorstellen, muss ich sie enttäuschen. Den gibt es nicht.‹ Stefan Kindl grinst breit unter dem weißen Sicherheitshelm. Der Chief Operator des Gasspeichers Schönkirchen-Reyersdorf bewegt sich elegant durch sein Revier, die blaue Arbeitskleidung hebt sich von dem Gewirr aus weißen Rohren ab. 

›Da unten‹, das sind die Gesteinsschichten unter dem Weinviertel, in denen die ›OMV Gas Storage‹ das Gas ihrer Kunden speichert. Bis vor ein paar Monaten hat nur eine Handvoll Menschen interessiert, was da in 600 bis 1.300 Meter Tiefe passiert. Seit dem Frühjahr ist das anders. Die Füllstände der Speicher sind ein Politikum geworden. 

Jahrzehnte galt in Österreich der Grundsatz, dass Strom aus der Steckdose und die Gasflamme aus Therme und Herd kommt. Der Einmarsch Russlands in der Ukraine rückt die Energieversorgung – speziell die Gasflüsse – ins Blickfeld der Öffentlichkeit. Wer die politische Diskussion um die Versorgungssicherheit verstehen will, für den ist es nützlich zu wissen, wie die österreichische Gasinfrastruktur funktioniert. Auch mit Blick auf die Zukunft und mögliche Optionen. 

Das Weinviertel ist so etwas wie Österreichs Energiezentrale. Hier wird seit knapp 70 Jahren Öl und Gas gefördert, die wichtigen Transitpipelines laufen hier zusammen. Die Spuren der Industrie in der Landschaft sind vergleichsweise überschaubar: Gelbe Markierungen auf den Feldern zeigen an, wo Pipelines verlaufen, damit niemand aus Versehen mit einem Bagger hineingräbt. Kleine Ölfördertürme, wegen ihrer Form auch ›Bombenböcke‹ oder ›Pferdeköpfe‹ genannt, bewegen sich auf und ab und tragen zum Vibe bei. 

Es gibt verschiedene Verfahren zur Gasspeicherung, in Österreich ist die Porenspeicherung vorherrschend. Das Erdgas wird dabei in poröse Gesteinsschichten gepresst. In Schönkirchen-Reyersdorf erstrecken sich die Felder über einen Durchmesser von zwölf Kilometer, zwei Milliarden Kubikmeter Gas können Kunden hier einspeichern. Österreich hat, man hat das in den vergangenen Monaten oft gehört, eine ›überdurchschnittliche Speicherkapazität‹. Hier im Weinviertel, in der Anlage mit den weißen Rohren, sieht man, wie das funktioniert: Das eingespeicherte Gas wird mit Sonden an die Oberfläche geholt, grob gereinigt, erwärmt und druckreguliert, danach fein gereinigt und getrocknet. Am Ende wird es – falls notwendig – mittels Turbinen auf den richtigen Druck für die Transitpipelines gebracht und die Menge mittels Ultraschallmessgerät dokumentiert. Beim Einspeichern ist es genau andersherum. Ein komplizierter Prozess, der sich täglich etliche Male wiederholt, 365 Tage im Jahr. 

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