Rudi beinhart

Sozialist und Unternehmer, Kabarettist und Kanzlerflüsterer: Wer ist Rudolf Fußi?

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Fotografie:
Gianmaria Gava
DATUM Ausgabe März 2017

Es ist ein kalter grauer Dezemberabend, als die Wut einen Abstecher nach Wien-Hernals macht. Im Saal der Kleinkunstbühne Kulisse, wo sich die Tische unter Bier und Gulasch biegen, ist es heiß und stickig. Rudolf Fußi steht auf der Bühne, schwitzt leicht und poltert gegen die Politik an sich. Die Pointen seines Programms ›Jetzt rede ich‹, das als AMS-Kurs für Arbeitslose aufgebaut ist, die sich zum Berufspolitiker umschulen lassen, sind brachial, aber effektiv: ›Das hier ist Ihre letzte Chance auf eine anständige Beschäftigung. Und das mit dem anständig vergessen wir gleich mal wieder.‹ Fußi wettert über gierige, unfähige Volksvertreter, lässt aber auch sich selbst und seine Branche nicht aus. Der Saal tobt. Oben auf der kleinen Bühne steht der ›be­gnadete Populist‹, wie ein Freund Fußi ein paar Tage später nennt, und grinst. Er ist zufrieden.

Rudolf Fußi ist Politikberater, Social-Media-Rampensau, bunter Hund des politmedialen Komplexes. Fast jeder in der Wiener Blase kennt ihn, fast jeder hat eine Meinung zu ihm. Er gilt als Retrolinker, neoliberaler Unternehmer, Politaktivist und sexistisches Alphamännchen – wahlweise beziehungsweise gerne auch gleichzeitig. Er selbst würde sich derzeit wahrscheinlich als Mann der Stunde bezeichnen – und man könnte ihm schwer widersprechen: Seinen früheren Kampf gegen die Eurofighter hat sich nun die Regierung auf die Fahnen geschrieben. Und einer der Höhepunkte der Innenpolitik, Kanzler Kerns Plan-A-Rede, dürfte aus Fußis Feder stammen.

Beginnt man sich über Rudolf Fußi umzuhören, stößt man auf eigentümliche Geschichten. Wie er auf einem Ausflug trotz anderslautender Gruppenentscheidung reichlich Chili ins Essen kippte, weil es seinem persönlichen Geschmack halt mehr entsprach. Wie er einem jüdischen Redakteur der Zeitung Heute öffentlich ›Kollaboration‹ vorwarf, weil der ›als Jude für ein Hetzblatt‹ arbeite – und Fußi sehr lang brauchte, um einzusehen, dass er sich dabei antisemitischer Klischees bedient hatte.

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