Ein Film für die Königin

DATUM Ausgabe März 2026

Jetzt ist es schon fünf Jahre her, dass Netflix mit der Mini-Serie ›The Queen’s Gambit‹ einen der größten Erfolge seiner Geschichte feierte. Weil Schach weiterhin und immer mehr im Kommen ist, hat der Streaming-Dienst nun einen weiteren Schachfilm herausgebracht: Diesmal ist es eine Doku unter dem naheliegenden Titel ›Queen of Chess‹ über Judit Polgár, die unumstritten stärkste Schachspielerin aller Zeiten.

Tatsächlich gibt Polgárs Geschichte einiges an Dramatik her: Ein gewisser László Polgár setzte sich im kommunistischen Ungarn der 80er-Jahre in den Kopf zu beweisen, dass er seine drei Töchter durch optimiertes Training zu Schachgroßmeisterinnen erziehen kann. Die Übung gelang – und zwar am allerbesten bei der jüngsten der Polgár-Schwestern, die von Anfang an auch in offenen Turnieren gegen stärkstmögliche männliche Konkurrenz antrat. 

Ihr von frühester Kindheit an ganz vom Schach dominiertes Leben führte Judit letztlich in die Top Ten der allgemeinen Weltrangliste, ein Niveau, das zuvor und auch in den zwanzig Jahren seither keine andere Frau im Schachsport auch nur annähernd erreichte.

Die Doku besticht vor allem durch große Mengen an Archivmaterial aus der Kindheit und Jugend der Polgárs, als die drei Mädchen erst die ungarische und dann die internationale Schachszene ordentlich aufmischten und dabei en passant mit Klischees über Frauen am Schachbrett aufräumten. Tiefere Einblicke, etwa in das Verhältnis Judits zu ihrem dominanten Vater, bleiben das Werk der US-amerikanischen Dokumentarfilmerin Rory Kennedy dagegen eher schuldig. 

Queen of Chess / Netflix

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