›Ich bin keine gelernte Diplomatin – das ist jetzt ein Vorteil‹
Außenministerin Beate Meinl-Reisinger findet, Europa muss sich stärker behaupten – gegenüber Russland und auch gegenüber Donald Trump. Ein Gespräch über Spione in Wien, ihren Zugang zum Amt und darüber, warum sie sich für ihre Vorgängerin schämt.
Beate Meinl-Reisinger sitzt an einem Besprechungstisch in ihrem Büro im Außenministerium. An der Wand gegenüber hängt ein Ölgemälde der Wiener Künstlerin Nina Maron, mit dem Motiv einer Frau im schwarzen Kleid. Meinl-Reisinger hat sich das Werk zur Geburt ihrer ersten Tochter gekauft hat und nahm es bei ihrem Einzug ins Außenministerium mit. ›Es heißt: »Kummer, Küche, Kabinett« – ich dachte, das passt derzeit ganz gut‹, sagt sie und lacht. Es ist Donnerstagvormittag, der 23. Jänner, und die Außenministerin sieht müde aus. Angesichts der Schlagzeilen kann man ihr das nicht verdenken: neue russische Luftangriffe auf Kiew, geopolitische Drohkulissen aus Washington, innenpolitische Konflikte in Österreich. ›Die ersten drei Wochen des Jahres kamen mir wie drei Monate vor‹, sagt sie und schnauft durch.
Frau Meinl-Reisinger, die Weltlage ist so bedrohlich wie lange nicht mehr. Wie gut schläft man da als Außenministerin?
Beate Meinl-Reisinger: Das ist eine Frage der Resilienz, Stress bin ich durchaus gewohnt. Ich bin schon lange Parteichefin und in der Politik. Aber natürlich ist die Verantwortung als Außenministerin noch einmal eine andere. Es stellen sich momentan sehr viele, sehr grundlegende Fragen für Österreich und Europa, die so drängend sind, dass mich das schon hin und wieder wachhält.
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