Liebe Leserinnen und Leser!
Mir ist kürzlich wieder ein Buch des renommierten US-Historikers Timothy Snyder untergekommen, es heißt: ›Über Tyrannei. Zwanzig Lektionen für den Widerstand.‹ Es ist eine Art Gebrauchsanweisung dafür, wie sich Bürgerinnen und Bürger wehren können – gegen Wahrheitsverdreher, Demokratieverächter, Demagogen. Snyder schrieb das Buch vor knapp zehn Jahren und hatte damals bereits die USA im Blick. Ich kann mich noch daran erinnern, als ich das Buch 2017 zum ersten Mal las: Snyders Thesen wirkten damals nahezu apokalyptisch. Heute, Anfang 2026, lesen sie sich wie ein aktueller Beitrag zur Stunde. Eine Staatsführung, die gewaltsam gegen ihre Bürger vorgeht und sie als ›Terroristen‹ diffamiert. Die den Rechtsstaat aushebelt, Institutionen schwächt, Kritiker politisch verfolgt.
›Leiste keinen vorauseilenden Gehorsam‹ – so lautet die erste Lektion von Snyder, der in seinem Buch daran erinnert, dass der Großteil der Macht autoritärer Systeme freiwillig übergeben wird. Seit Beginn der zweiten Amtszeit von Donald Trump konnte man beobachten, wie Universitäten dem Druck des Präsidenten nachgaben, Konzerne sich seinen Drohungen beugten und die Republikaner ihn einfach machen ließen. Man fragte sich: Warum wehrt sich keiner? Wo sind all die freiheitsliebenden Amerikaner geblieben?
Dass es sie noch gibt, führen seit Wochen die Bürger der Stadt Minneapolis vor. Sie beugen sich nicht – nicht Donald Trump und nicht der Einwanderungsbehörde ICE. Der Preis ihres Widerstandes ist hoch: Zwei US-Bürger wurden innerhalb kurzer Zeit von ICE-Agenten auf den Straßen von Minneapolis getötet.
Wie umgehen mit Trump? Diese Frage muss sich derzeit auch Europa stellen. Im großen DATUM-Interview fordert Österreichs Außenministerin Beate Meinl-Reisinger einen selbstbewussteren Umgang – nicht nur mit Trump, sondern auch gegenüber Russland, das aufgrund der Drohungen aus Washington aus dem Fokus der Aufmerksamkeit gerückt ist. Zu Unrecht: In der Ukraine herrscht noch immer Krieg. Und auch in Österreich stellen russische Einflussoperationen derzeit die größte Bedrohung von außen dar.
Das Gespräch mit der Außenministerin führte ich gemeinsam mit meiner geschätzten Kollegin und Vorgängerin Elisalex Henckel, die für DATUM gerade an einem mehrteiligen Podcast arbeitet. Auch darin wird es um die sehr speziellen österreichisch-russischen Beziehungen gehen – Sie dürfen gespannt sein!
Gabriel Felbermayr, Direktor des Wirtschaftsforschungsinstitutes Wifo, erläutert in dieser Ausgabe außerdem, warum die EU-Sanktionen gegen Russland zwar nur begrenzt wirken, aber dennoch nötig sind. Und Thomas Winkelmüller berichtet über eine besondere Brieffreundschaft zwischen einer in Wien lebenden Russin und dem Poeten Yegor Shtovba – einer von rund eintausend politischen Gefangenen in Russland.
Ich wünsche Ihnen eine gute Lektüre!
Ihre Christina Pausackl
christina.pausackl@datum.at