Keta, Krawall und Konsum

Die Gen Z galt lange als diszipliniert und vernünftig. Doch gerade kippt etwas. Ist der neue Hedonismus eine logische Antwort auf eine Welt ohne Versprechen?

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Illustration:
Ari Liloan
DATUM Ausgabe Februar 2026

Sie lieben die Worte Sonnenschutzfaktor und Achtsamkeit, gehen ins Fitnessstudio und tuppern sonntags ihr vorgekochtes Essen ein. Die Gen Z ist die Generation Klima, die für ›Fridays For Future‹ auf die Straße ging, heute bleibt vom Umweltbewusstsein zumindest das Kompositum ›Bewusstsein‹ ­tonangebend. Denn die Gen Z geht in Therapie, atmet achtsam, und wer ›getriggert‹ ist, sagt das. Sie achten auf eine gute ›Work-Life-Balance‹ und ihre Gesundheit, deswegen trinken sie ihr Bier auch mal alkoholfrei oder lassen es gleich ganz sein. Aus ihren Reihen entstanden die ›That Girls‹: junge Frauen, die ihr Geld damit verdienen, auf Instagram Perfektion zu performen: sie stehen um fünf Uhr morgens auf, um zu meditieren, dankbar zu ›journalen‹ und ihr Bett zu machen. Das alles wirkt, nett ausgedrückt, einigermaßen langweilig und brav, ein bisschen bissiger würde man sagen: ziemlich spießig. Junge Menschen scheinen sich im Rahmen von Konventionen zu bewegen, der Lebenstraum ist es, alles im Biosupermarkt einkaufen zu können und sich sonst ins bequem Private zurückzuziehen. 

Aber stimmt das Klischee? Hat sich der Zeitgeist nicht längst gedreht? ­Verharrt man im Jammern, was jede Generation über jüngere tut und viele zusätzlich noch über die eigene, dann übersieht man etwas. Denn da liegt etwas in der Luft. Ein Surren, ein Flirren. Eine Lust am Ausbruch, raus aus der pastellenen Achtsamkeit, den Essensplänen, das Zerschlagen der Hoffnung, oder, je nach Perspektive, des Idealismus, der versucht, das Versprechen von einer besseren Zukunft zu verteidigen. Raus aus dem Verzicht, raus aus der Vernunft. 

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