Klare Ansagen
Angesichts der angespannten politischen Lage in den USA ist es erstaunlich, wie wenig die progressive Popkultur darauf reagiert. Insbesondere die Mainstream-Popmusik scheint schon länger in einem dissoziativen Zustand zum Weltgeschehen zu verweilen. In den Bush-Jahren der 2000er war das noch anders: Die Punkrockband Greenday veröffentlichte ihren Hit ›American Idiot‹, Madonna und Radiohead setzten sich auf ihren Alben mit dem Irakkrieg auseinander, und der Dokumentarfilmer Michael Moore rief bei der Oscarverleihung 2003 von der Bühne: ›Shame on you, Mr. Bush!‹ Heute dagegen ist es auffallend still.
Insofern ist es ein besonderes Ereignis, wenn ausdrücklich politische Musik erscheint, wie zuletzt das Album ›Cry Baby‹ des Rappers Vince Staples aus Los Angeles. Schon auf dem Cover ist einebrüllende Baby-Karikatur zu sehen, die unverkennbar an Donald Trump erinnert. Staples, von den Kritiken einhellig als schlauer Lyriker gelobt, verhandelt darauf vieldeutig die Themen Rassismus, Waffengewalt, Medien, Trump-Regierung und die MAGA-Bewegung.
Stets mit historischen Verweisen auf die Gewaltgeschichte der USA (›Empires built on bloodstained ground‹), wird die Bildsprache in den dazugehörigen Musikvideos besonders deutlich. So ist das Video zu ›Blackberry Marmelade‹ aus der Perspektive eines (staatlich) Bewaffneten gefilmt, der unter der im Sonnenlicht wehenden amerikanischen Flagge nicht nur den -Rapper, sondern auch sämtliche afroamerikanische Passanten erschießt. ›God bless the USA‹, kommentiert Staples später sarkastisch.
Vince Staples
Cry Baby
2026 Section Eight Arthouse