Der Matura-Jahrgang von Butscha
Roma will Diplomat werden, Sophia Lektorin, Jewa Innenarchitektin. Sie sind sechzehn, gehen im Kyjiwer Vorort Butscha zur Schule und machen im nächsten Frühjahr Matura. Besuch bei drei jungen Menschen, die über eine gestohlene Jugend sprechen – und über ihre Pläne für die Zeit danach.
An manche Orte kehrt man gern zurück – trotz allem. Die Schule Nummer 3 in Butscha, 25 Kilometer nordwestlich von Kyjiw, ist ein solcher Ort. Am Schultor wartet ein junger Mann in olivgrünem Polohemd. Er hebt die Hand, lächelt. Ist das etwa Roma?
Der Bub von damals ist um einen Kopf gewachsen, seine Stimme tiefer, sein Händedruck fest. ›Ich hätte dich kaum wiedererkannt‹, rutscht es mir bei der Begrüßung heraus. ›Das höre ich in letzter Zeit öfter‹, sagt er und grinst. Neben mir steht die ukrainische Fotografin Julia Kochetova, die seit Jahren den Krieg in ihrem Land dokumentiert. Auch auf den Straßen von Butscha.
Zum ersten Mal traf ich Roma, Sophia und Jewa im Februar 2023, als Bundespräsident Alexander Van der Bellen die Schule in Butscha besuchte. Ich war damals als Journalist dabei. Jewa sang für den hohen Gast aus Österreich die ukrainische Nationalhymne – ›Schtsche ne wmerla Ukrajina‹ – ›Noch ist die Ukraine nicht gestorben‹.
Damals waren die drei 13 Jahre alt: drei sehr wache, kluge Jugendliche, auf die ihre Lieblingslehrerin besonders stolz war. Jetzt sind sie 16, bald steht ihnen die Matura bevor. Ich bin über die Jahre mit ihnen in Kontakt geblieben und habe auch die Schule mehrmals besucht. Eine Schule an einer Straße, die in den ersten Tagen der Vollinvasion Schauplatz von schweren Gefechten war, und deren Name zur Chiffre für russische Kriegsverbrechen geworden ist. Wie wird man erwachsen an so einem Ort?
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