Wie es ist … Planeten zu entdecken?
Einen Planeten entdeckt man nicht, indem man durch ein riesiges Teleskop schaut und plötzlich einen Punkt am Himmel sieht. Eigentlich sehe ich den Planeten nie. Bei der Suche hilft uns unter anderem der Weltraumsatellit TESS. Er kreist um die Erde und misst konstant das Licht von Sternen. Wird der Stern in regelmäßigen Abständen ein kleines bisschen dunkler, kann das bedeuten, dass ein Planet vor ihm vorbeizieht und einen Teil seines Lichts verdeckt. Ein bisschen wie bei einer winzigen Sonnenfinsternis.
Ich war gerade sechs Monate in Chile und habe dort gemeinsam mit einem Forschungsteam zwei neue Planeten entdeckt. Diesen einen Überraschungsmoment, in dem ich dachte: Wow, ich habe neue Planeten gefunden, gab es aber nicht. Ich saß hauptsächlich vor meinem Computer und habe die Daten durch einen ziemlich komplizierten Code laufen lassen. Irgendwann wurde aus den ganzen Zahlen etwas Greifbares und ich hatte erstmals Größe, Masse und Dichte der Planeten vor mir.
Als ich meiner Mama und meinen Freundinnen von meinen Planeten erzählte, waren sie deutlich begeisterter als meine Kolleginnen. Meine Professoren machen das seit Jahren und haben teilweise dutzende Planeten ausfindig gemacht. Wenn man ständig mit möglichen Entdeckungen zu tun hat, wird etwas, das für Außenstehende spektakulär klingt, irgendwann ein Stück weit zum wissenschaftlichen Alltag.
Mein Professor hat mit mir gewitzelt und meine entdeckten Planeten ›Hanna 1‹ und ›Hanna 2‹ genannt. Leider kann man ihnen keinen eigenen Namen geben, sondern muss sich an eine gewisse Katalogvorlage halten. Offiziell heißen meine Planeten TIC184397998b und TIC279514271b.
Leben, wie wir es kennen, gibt es auf ihnen nicht. Denn sie sind Gasriesen, ähnlich wie Jupiter oder Saturn. Überhaupt denken viele bei einem neu entdeckten Planeten sofort an eine zweite Erde. Dabei sind die meisten ziemlich lebensfeindlich. Aber ich bin davon überzeugt, dass wir bald Leben auf einem anderen Planeten finden werden. Bei so einer Entdeckung einmal dabei zu sein, wäre mein Traum. Am Ende gehört aber auch viel Glück dazu, dass genau du diejenige bist, die auf eine zweite Erde stößt.
Während meines Forschungsaufenthaltes in Chile habe ich auch Beobachtungen in der Atacamawüste durchgeführt. Dort nachts an einem Teleskop zu sitzen, ist wahrscheinlich der Teil meines Berufs, der den verbreiteten Vorstellungen von Astrophysik am nächsten kommt. Es ist stockdunkel und der Sternenhimmel ist unglaublich. Ich richte das Teleskop auf einen Stern, von dem wir vermuten, dass ihn ein Planet umkreist, und sammle über Stunden Daten. Genau diese Daten können später zeigen, was sich dort viele Lichtjahre entfernt tatsächlich abspielt.
Ich würde mir wünschen, dass man in österreichischen Schulen mehr über Astronomie lernt. Schon allein, weil sich der Blick auf die Erde verändert, wenn man versteht, wie riesig das Universum ist und wie besonders die Bedingungen sind, unter denen wir hier leben können. •
Zur Person:
Hanna Kasperer (27) forscht zur Entdeckung und Charakterisierung von Exoplaneten. 2026 verbrachte sie sechs Monate in Chile, wo sie auch am La-Silla-Observatorium in der Atacamawüste Beobachtungen durchführte.