Leben mit der Schuldfrage
Lucy ist eine erfolgreiche Konzertpianistin und lebt mit ihrem Mann Philip, einem TV-Regisseur, und dem gemeinsamen Sohn idyllisch in einer Landvilla. Das Familiengefüge gerät ins Wanken, als eines Tages die Polizei mit Sonderermittlerin Elsa vor der Tür steht und Philips Computer und Festplatten konfisziert. Der Verdacht, dass Philip Missbrauchsdarstellungen von Kindern besitzt, wiegt schwer und setzt eine langsame Implosion der sozialen Beziehungen in Gang. Parallel dazu wird die Geschichte der Polizistin erzählt, die sich um ihren alternden Vater kümmert.
›Gentle Monster‹, der international gefeierte Spielfilm der österreichischen Regisseurin Marie Kreutzer, wird von den exzellenten Hauptdarstellerinnen Léa Seydoux und Jella Haase getragen. Der Film handelt weniger von rücksichtlosen Männern, als vom Zusammenleben mit ihnen und den dazugehörigen Auswirkungen auf die Umgebung. Das überzeugende Drehbuch fängt Zwischentöne ein und erzählt von Dilemmata, Lügen und Selbstlügen, Bagatellisierung von Schuld sowie unangenehmem Smalltalk in kosmopolitischen Bildungseliten. Mit umsichtigen Bildern nähert sich der Film dem Thema Kindesmisshandlung respektvoll und schafft eine beklemmende Atmosphäre.
Mutmaßlich ist ›Gentle Monster‹ auch vom Fall Florian Teichtmeister inspiriert. Der Schauspieler wurde 2023 wegen Herstellung von Missbrauchsdarstellungen an Kindern verurteilt und hatte seine letzte Rolle in Marie Kreutzers Oscar-nominiertem Film ›Corsage‹, der von da an nicht mehr öffentlich gezeigt wurde.
Gentle Monster
Regie: Marie Kreutzer AT/DE/FR 2026
Mit: Léa Seydoux, Jella Haase, Laurence Rupp, Catherine Deneuve
Ab 17.9. im Kino